Brustkrebs – Nimm ab, mach Sport!

Eigentlich klingt das Rezept fürs lange Leben ganz  einfach: Gesundes Essen mit viel Obst und Gemüse, Pfunde verlieren, regelmäßig Sport treiben. Auch Frauen, die den Brustkrebs überlebt haben, profitieren davon. 

Wer Brustkrebs hat, muss erst einmal den Schock verdauen und die Behandlungen aus Operation, Chemotherapie und Bestrahlung überstehen. Doch wie hält man den Brustkrebs anschließend in Schach? Wie lässt sich verhindern, dass er erneut ausbricht und noch mehr Schaden anrichtet als zuvor? Wer nur ein paar seiner Lebensgewohnheiten verändert, senkt sein Rückfallrisiko für Brustkrebs und die Gefahr daran zu sterben. Dies bewiesen jetzt Forscher des Yale Cancer Center, New Haven. „Die Studienergebnisse lassen vermuten, dass Lebensstilveränderungen jene Biomarker senken, die mit dem Rückfallrisiko und der Sterblichkeit bei Brustkrebs verknüpft sind“, sagt Melinda Irwin, die Hauptautorin zweier Studien zu diesem Thema.

dkfz – Einblick Podcast „Sport für Krebspatienten“

 

Weniger Gewicht, geringeres Rückfallrisiko für Brustkrebs

In der ersten Untersuchung, der Lifestyle, Exercise and Nutrition – LEAN-Study – untersuchten die Forscher, wie sich ein Gewichtsverlust auf bestimmte Marker im Blut von Brustkrebs-Überlebenden auswirkte. Die Frauen waren übergewichtig beziehungsweise fettleibig – zu viel Speck auf den Hüften gilt als Risikofaktor für Brustkrebs. Die Frauen wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Die einen bekamen eine intensive Beratung, wie sie abnehmen und Sport treiben können, die anderen erhielten lediglich eine Broschüre zu Lebensstilveränderungen.

Nach sechs Monaten war bei den Frauen aus der Abnehmgruppe der Wert an C-reaktivem Protein (CRP) um rund 30 Prozent gesunken. Bei der anderen Gruppe nahm dieser Wert nur minimal ab. Dieses Eiweiß zeigt, dass im Körper Entzündungsprozesse stattfinden. Hohe CRP-Spiegel stehen im Zusammenhang mit einer höheren Brustkrebssterblichkeit.

Und es gab noch einen anderen interessanten Effekt: Wer fünf Prozent seines Körpergewichts verlor, senkte seinen Insulinwert um 22 Prozent, das Leptin – ein Appetithormon – um 38 Prozent und das CRP sogar um 55 Prozent. Bei Frauen, deren Gewicht sich um weniger als fünf Prozent verringerte, war diese Wirkung nicht nachweisbar.

Sport hilft Frauen nach Brustkrebs

In Studie zwei (hormones and physical exercise study, HOPE-Studie) untersuchten die Forscher den Effekt von Sport auf das Gewicht, Körperfett und die Entzündungsbotenstoffe bei Brustkrebspatientinnen. Sie alle litten unter Gelenkschmerzen, weil sie aufgrund ihres hormonempfindlichen Brustkrebses sogenannte Aromatasehemmer schluckten. 121 Frauen wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen nahmen zweimal pro Woche an einem intensiven Training sowie 2,5 Stunden wöchentlich an einem moderaten Ausdauertraining teil. Die andere Gruppe machte überhaupt keinen Sport.

Nach zwölf Monaten zeigte sich Folgendes: Die Frauen in der Sportgruppe hatten etwa drei Prozent ihres Körpergewichts und Körperfetts eingebüßt. Die CRP-Spiegel waren um sechs Prozent gefallen, während die Entzündungswerte in der Kontrollgruppe ohne Sport gestiegen waren. Frühere Ergebnisse aus der HOPE-Studie hatten ergeben, dass Bewegung auch die Gelenkschmerzen, verursacht durch die Aromatasehemmer, lindert. In der jetzigen Untersuchung konnte jedoch keine Verbindung zwischen den verringerten Gelenkschmerzen und dem gesunkenen Körpergewicht, Fettanteil und CRP festgestellt werden. So suchen die Forscher weiterhin nach dem Mechanismus, wie Sport die Schmerzen in den Gelenken verbessert.

Antikrebs-Medizin Sport

Sport ist nachweislich eines der besten Medikamente – als Schutz vor Krebs, aber auch nach einer überstandenen Krebserkrankung. Und es ist kostenlos. Es dämmt die chronische Müdigkeit (Fatigue) ein, unter der viele Krebspatienten nach der Therapie leiden, wirkt sich positiv auf Herz und Kreislauf, und hellt auch das Gemüt und die Stimmung auf. Bewegung wird heute sogar während der Krebstherapien empfohlen, auch wenn sie die Patienten müde und ausgelaugt fühlen. Denn es lindert die oft heftigen Nebenwirkungen einer Chemotherapie und beugt Depressionen vor. Und Sport lässt die Pfunde schmelzen. Bestimmte Krebsarten wie Brustkrebs oder Darmkrebs stehen mit dem zu hohen Gewicht in Zusammenhang.

Quellen:

  • Irwin, Melinda et al.: „Effect of weight loss intervention on inflammatory and metabolic markers in breast cancer survivors. The lifestyle, exercise, and nutrition (LEAN) study“;
  • Irwin, Melinda et al.: „Effect of exercise on weight, body fat, and serum inflammatory biomarkers in breast cancer survivors with aromatase inhibitor arthralgias (joint pain): The hormones and physical exercise (HOPE) study.
    Die Ergebnisse beider Studien wurden auf dem Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology in Chicago vom 30. Mai bis 3. Juni 2014 vorgestellt.

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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