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Sport als Herzschutz nach Brustkrebs-Behandlung

Nach Brustkrebs-Behandlung: Sport als Herzschutz
Nach Brustkrebs-Behandlung: Sport als Herzschutz (c) wokandapix/Pixabay.de

Nach einer Brustkrebs-Behandlung geraten viele Frauenherzen in Gefahr. Sport kann ihre negativen Auswirkungen auf Herz und Kreislauf abfedern.

Joggen, Walken, Schwimmen, Radfahren: Sport empfiehlt sich für Jedermann, vor allem aber für Frauen nach einer Brustkrebs-Therapie. Denn körperliche Aktivität scheint das im Anschluss erhöhte Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwa einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, mildern zu können. Dies ergab eine Studie, die auf dem 66. Jahrestreffen des American College of Cardiology vorgestellt wurde. Frauen mit Brustkrebs, die vor ihrer Diagnose durchschnittlich fünf Stunden wöchentlich Sport getrieben hatten, wiesen ein um 40 Prozent niedrigeres Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und ein um 60 Prozent niedrigeres Risiko auf, an einer Herzkrankheit zu sterben. Diese sei die erste Studie, die Langzeiteffekte von Sport vor einer Krebsdiagnose und die positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System analysiert habe, sagen die US-Forscher.

Sport vor der Brustkrebs-Diagnose

Sie analysierten die Daten von 4.015 Frauen, die an der Womens Health Initiative Study (WHI) teilgenommen hatten. Diese großangelegte Untersuchung fand zwischen 1991 und 2006 statt. Alle Frauen waren an Brustkrebs erkrankt, der aber noch keine Metastasen gebildet hatte. Die Wissenschaftler untersuchten die Auswirkungen sämtlicher Arten von Krebsbehandlungen auf das Herz, etwa einer Chemotherapie oder Bestrahlung.

Wie sportlich aktiv die Frauen vor dem Ausbruch des Brustkrebses gewesen waren, stellten sie anhand eines Fragebogens fest, den die Frauen kontinuierlich über den gesamten Studienzeitraum ausfüllten. Als Maß für die körperliche Aktivität diente das sogenannte Metabolische Äquivalent (MET): eine niedrige körperliche Aktivität entspricht weniger als 2,5 MET pro Woche, eine mittlere Trainingsintensität 2,5 bis 8,6 MET, die moderate Intensität  8,6 bis 18 MET und eine hohe Aktivität mehr als 18 MET pro Woche – letztere bedeutet ungefähr fünf Stunden Sport wöchentlich. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren nach der Brustkrebs-Diagnose ermittelten die Forscher das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Sport hilft dem Herz nach Brustkrebs-Behandlung

Frauen, die vor der Krebsdiagnose mit mittlerer, moderater oder hoher Intensität trainiert hatten, zeigten ein 23, 25 beziehungsweise 41 Prozent niedrigeres Risiko für ein Herz-Kreislauf-Ereignis im Vergleich zu Brustkrebspatientinnen, die nur wenig körperlich aktiv waren. Zudem lag das Risiko, eine Herz-Kreislauferkrankung zu entwickeln, um 41, 55 beziehungsweise 61 Prozent niedriger. Diese Zusammenhänge ließen sich für alle Arten von Krebsbehandlungen beobachten. Unter Herz-Kreislauf-Ereignissen fassten die Forscher Herzversagen, Herzinfarkt, Brustschmerz, Schlaganfall, „Mini-Schlaganfall“ und den Herz-Kreislauf-Tod zusammen. Auch Ablagerung in den Herzkranzgefäßen (Plaques) sowie Eingriffe, welche die Gefäße wieder eröffneten, gehörten dazu, etwa eine Bypass-Operation oder Gefäßaufdehnung (Angioplastie).

„Eine Herzkrankheit steht auf Platz zwei der häufigsten Todesursachen bei Krebspatienten und -überlebenden – nach einer zweiten oder wiederkehrenden Krebserkrankung“, sagt Tochi Okwuosa, Studienleiterin und Herzspezialistin am Rush University Medical Center, Chicago. „Damit sind alle Maßnahmen äußerst wichtig, die eine Herzerkrankung bei Krebspatienten verhindern.“ Sport verringere das Risiko für Herz-Kreislaufereignisse, deren Ursache eine Chemotherapie oder Bestrahlung sei – und zwar schon, bevor eine Krebsdiagnose gestellt werde.

Dennoch sei die Aussagekraft der Ergebnisse begrenzt, weil die Frauen selbst Angaben zu ihren sportlichen Aktivitäten gemacht hätten und diese nicht objektiv gemessen worden seien, schränken die Forscher ein. Auch seien die Unterschiede nicht statistisch signifikant gewesen.

So schädigen Krebstherapien das Herz

Dass bestimmte Krebstherapien das Herz schädigen, ist schon länger bekannt. Eine Strahlentherapie bei Brustkrebs zum Beispiel findet relativ nah am Herzen statt. Die Strahlen können Herzmuskelzellen zerstören und auch noch Jahre später dauerhafte Entzündungen auslösen. Diese machen Forscher unter anderem für Probleme mit den Herzklappen, Ablagerungen in den Arterien, Herzrhythmusstörungen und Flüssigkeitsansammlungen rund ums Herz verantwortlich. Eine Chemotherapie mit Doxorubicin, Paclitaxel und anderen Zytostatika bringen Ärzte mit einem erhöhten Risiko für Herzversagen und Herzrhythmusstörungen in Verbindung. Selbst gezielte Therapien, sogenannte „targeted therapys“, beeinträchtigen das Herz. Ein Beispiel ist der Wirkstoff Trastuzumab, der heute zum Therapiestandard bei Frauen mit  HER2-positivem Brustkrebs zählt. Okwuosa erklärt: „Die Herzprobleme durch die Chemotherapie sind darauf zurückzuführen, dass das Herz nur begrenzte Möglichkeiten hat, sich zu regenerieren. Diese können also über Jahre bestehen bleiben.“

Sport und Medikamente als Herzschutz bei Krebs

Forscher versuchen auch Medikamente zu finden, die das Herz vor den schädlichen Wirkungen der Krebsbehandlungen schützen. Einen solchen Schutzeffekt wiesen sie zum Beispiel für Erythropoietin (EPO) nach, das die Sauerstoffaufnahme im Blut erhöht und als leistungssteigerndes Mittel im Doping bekannt ist. Alle Krebspatienten, die herzschädigende Substanzen erhalten, überwachen Ärzte intensiv während der Krebsbehandlungen. Heute überleben zwar viel mehr Menschen ihre Krebserkrankung, aber bis zu 32 Prozent sterben an Herzerkrankungen als Spätfolgen der Krebstherapie, erklärt die European Society of Cardiology.

So ist also Handeln gefragt. Sport könnte ein kostenloses und wirksames Medikament für ein intaktes Herz sein. Körperliche Aktivität verleihe den Krebspatienten eine gewisse Kondition, die ihnen helfe, Herz-Kreislauf-Stress besser zu tolerieren – selbst wenn er zu einem späteren Zeitpunkt, etwa im Rahmen einer Krebsbehandlung, einsetze, glaubt Okwuosa. „Patienten, die ihre Leben lang oder vor dem Zeitpunkt der Krebsdiagnose körperlich aktiv waren, scheinen von Sport zu profitieren, was Herz-Kreislauf-Probleme und die Nebenwirkungen der Krebstherapien angeht.“.

Quelle: Okwuosa T et al. „Associations Between Exercise Prior to and Around the Time of Cancer Diagnosis and Subsequent Cardiovascular Events in Women with Breast Cancer: A Women’s Health Initiative (WHI) Analysis,“ presented on Saturday, March 18, at 9:30 a.m. in Poster Hall C at the American College of Cardiology’s 66th Annual Scientific Session in Washington. The meeting runs March 17-19.

Ingrid Müller

Ingrid Müller ist freie Medizinjournalistin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, Springer und Funke. Sie ist Buchautorin, arbeitet an digitalen Gesundheitsprojekten sowie der Gründung der Prostata Hilfe Deutschland e.V. für Männer mit Prostatakrebs mit.

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