Überleben nach Brustkrebs – schon moderates Training bringt viel!

Bewegt euch! Dies ist das Fazit aus einer neuen Studie. Sie wies nach, dass schon drei Stunden Training pro Woche – etwa flottes Spazierengehen – bei Frauen mit Brustkrebs das Sterblichkeitsrisiko senken kann.

Körperliches Training gilt ganz allgemein als kostenloses „Medikament“. Bewegung und Sport können verschiedenen Krankheiten vorbeugen, wirken sich aber auch positiv auf bestehende Erkrankungen aus – das ist bekannt. Körperliche Aktivität kann dem Körper, der Psyche und dem Geist von Gesunden und Kranken helfen. Auch Frauen mit Brustkrebs profitieren davon, wenn sie sich ausreichend bewegen. Sie verbessern nicht nur ihr Lebensgefühl, sondern können offenbar auch ihr Sterblichkeitsrisiko senken. Und: Diese positiven Effekte sind schon bei moderatem Training nachweisbar – damit bringt schon wenig sehr viel, wie jetzt eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Harvard University bewies.



Nach Brustkrebs: Schon drei Stunden Training sind positiv

Frauen, die nach einer Brustkrebsdiagnose ungefähr drei Stunden wöchentlich flott spazieren gingen, hatten ein deutlich niedrigeres Sterblichkeitsrisiko als jene Frauen, die wenig körperlich aktiv waren. Interessant ist, dass dieser Zusammenhang unabhängig davon galt, wie viel sich die Frauen vor ihrer Brustkrebserkrankung bewegt hatten. Auch wenn sie ihre körperliche Aktivität nach ihrer Krebsdiagnose moderat steigerten, sank die Sterblichkeit um fast ein Drittel.

„Bewegt Euch!“ lautet daher der Ratschlag der Studienleiterinnen Renée T. Fortner vom DKFZ und Heather Eliassen vom Harvard TH Chan School of Public Health and Brigham and Womens Hospital an Frauen mit Brustkrebs.

Wandern oder Radfahren, Tanzen oder Krafttraining: Jede Frau kann auswählen, was ihr am meisten liegt und damit ihre eigene Erkrankung günstig beeinflussen

Studienautorinnen DKFZ/Harvard University

Nach Brustkrebs – wie viel Training in der Freizeit?

Das Forscherteam analysierte die Daten der sogenannten „Nurses Health Study“. Diese war schon im Jahr 1976 gestartet zählt zusammen mit der 1989 initiierten Nurses Health II-Studie zu den weltweit größten Forschungsvorhaben zu Krankheitsrisikofaktoren bei Frauen. Fast 240.000 Krankenschwestern aus verschiedenen US-amerikanischen Bundesstaaten nahmen an den beiden Studien teil.

Unter den Teilnehmerinnen der Nurse Health Study gab es 13.371 Fälle von Brustkrebs. 9.308 dieser Frauen beobachteten die Forschenden bis zu 30 Jahre lang. Alle zwei Jahre gaben die Frauen Auskunft über die Dauer und Art ihrer sportlichen Aktivitäten in der Freizeit nach ihrer Brustkrebsdiagnose. Als Maß für den Vergleich der verschiedenen Arten körperlicher Aktivitäten diente die Einheit „metabolisches Äquivalent pro Stunde“, abgekürzt MET/hr. Mit dieser Einheit lassen sich verschiedene Tätigkeiten hinsichtlich ihres Energieverbrauchs miteinander vergleichen.

Beispiel: Drei MET/hr entsprechen ungefähr dem Energieverbrauch durch eine Stunde flottes Gehen.



Je mehr Bewegung, desto besser bei Brustkrebs

Die Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Je mehr sich die Frauen nach ihrer Brustkrebsdiagnose bewegten, desto günstiger verlief auch die Erkrankung.
  • Schon bei drei Stunden flottem Spazierengehen pro Woche – diese entspricht etwa 9 MET/hr – sank die Gesamtsterblichkeit um rund 27 Prozent.
  • Für die Veränderung des Aktivitätsniveaus vor und nach der Diagnose galt:  Selbst eine eher geringfügige Steigerung der körperlichen Aktivität nach der Brustkrebsdiagnose von 3 bis 9 MET/hr pro Woche reduzierte die Gesamtsterblichkeit um rund 30 Prozent. Dies galt unabhängig davon, wie das Ausgangsniveau der körperlichen Aktivität bei den Frauen zuvor war. Das heißt: Auch wer später mit der Bewegung anfängt, profitiert noch in erheblichem Maß davon.
  • Besonders deutlich traten die Effekte der körperlichen Aktivität bei Frauen mit hormonempfindlichem (hormonrezeptorpositivem) Brustkrebs zu Tage. Dabei wächst der Brustkrebs unter dem Einfluss von weiblichen Geschlechtshormonen – Östrogen und Progesteron. Die Mehrheit der Brustkrebspatientinnen – ungefähr zwei Drittel – besitzen solche Andockstellen (Rezeptoren) für Hormone auf ihren Krebszellen. Dies manchen sich Onkologinnen und Onkologen auch bei der Antihormontherapie zunutze, bei der sie diese Rezeptoren durch Medikamente blockieren.
  • Besonders positiv wirkt sich körperliche Aktivität auch bei Frauen aus, die erst nach den Wechseljahren an Brustkrebs erkranken.

Dies zeige, welches Potenzial eine vergleichsweise moderate körperliche Aktivität habe, so die Autorinnen. Fortner sagt: „Frauen müssen keinen Marathon laufen oder sich nicht im Fitnessstudio völlig verausgaben.“ Sie profitierten schon von Trainingseinheiten, die sie in ihren Alltag einbauen könnten.

Quelle:

Renée T. Fortner, Kristen D. Brantley, Shelley S. Tworoger, Rulla M. Tamimi, Bernard Rosner, Maryam S. Farvid, Michelle D. Holmes, Walter C. Willett, A. Heather Eliassen:
Physical activity and breast cancer survival: Results from the Nurses‘ Health Studies
JNCI Cancer Spectrum 2023, DOI: 10.1093/jncics/pkac085, https://academic.oup.com/jncics/article/7/1/pkac085/6881084

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Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit. Sie ist Chefredakteurin des Gesundheitsportals Prostata Hilfe Deutschland, die sich an Männer mit Prostatakrebs richtet. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekte mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de