Brustkrebs und Sport: Schon wenig hilft viel

Körperliche Aktivität kann Frauen mit Brustkrebs schützen. Schon ein geringes Maß an Bewegung und Sport senkt die Rückfallgefahr und erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit, ergab eine neue US-Studie.

Sport und Bewegung sind ein wirksamer Schutz vor einigen Krebsarten, zum Beispiel Brustkrebs. Zudem kann körperliche Aktivität Krebspatienten bis zu einem gewissen Maß vor einem Rückfall bewahren. Doch obwohl die Zusammenhänge gut bekannt sind – beim Wort „Sport“ meldet sich bei vielen der innere Schweinehund. Sie verbinden damit, dauerhaft sportliche Höchstleistungen vollbringen zu müssen – und fangen so erst gar nicht mit der Bewegung an.

Eine aktuelle US-Studie fand jetzt heraus, dass es gar nicht so viel Sport sein muss, um eine Schutzwirkung zu erzielen. Sogar ein geringes Maß an körperlicher Aktivität kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Frauen mit Brustkrebs lebten nicht nur länger, sondern blieben auch über längere Zeit krebsfrei nach ihrer Behandlung. Wer also mehr Sport trieb, lief seltener Gefahr, dass der Brustkrebs nach der Behandlung zurückkehrte. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachblatt „Journal of the Nationale Cancer Institute“ (JNCI).

Unsere Studie zeigt, dass wenig körperliche Aktivität viel besser ist als gar keine Bewegung, was das Krebsüberleben angeht.

Studienleiterin Dr. Rikki Cannioto

Sport bei Brustkrebs – welcher, wann und wie viel?

Dass körperliches Training das Überleben von Krebspatienten verlängern kann, hatten schon viele Studien angedeutet. Wer sich mehr bewegt – vor oder nach einer Krebsbehandlung – scheint auch länger zu leben. Die Forscher um Dr. Rikki Cannioto vom SWOG Cancer Research Network wollten jedoch wissen, wie die Menge und der Zeitpunkt der sportlichen Aktivität die Rückfallgefahr und das Sterberisiko beeinflussen.

Als Basis dienten die Daten aus der sogenannten „Diet, Exercise, Lifestyle and Cancer Prognosis Study“ (DELCaP-Studie). Eingeschlossen waren mehr als 1.600 Frauen, die an Brustkrebs der Stadien II und III, aber auch einem Hochrisikostadium I erkrankt waren. Bei allen war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Brustkrebs zurückkehrte. Die Gründe dafür waren zum Beispiel, dass der ursprüngliche Tumor in der Brust bei der Diagnose sehr groß war oder der Krebs schon in die Lymphknoten gestreut hatte.

Die Wissenschaftler befragten die Frauen anhand eines Fragebogens zu Ihren alltäglichen Gewohnheiten und ihrer Lebensführung vor der Krebsdiagnose. Auch wollten sie wissen, welche Art von Sport sie getrieben und wie oft und lang sie sich bewegt hatten. Alle Frauen unterzogen sich einer Chemotherapie wegen ihrer Brustkrebserkrankung.

Neu an der Studie ist, dass die Brustkrebspatienten vor und während der Chemotherapie sowie ein und zwei Jahre nach dem Ende der Behandlung zu ihren sportlichen Aktivitäten Auskunft gaben. Die Forscher erhielten also viermal eine Rückmeldung. Ungefähr 80 Prozent der Frauen antworteten.

Sport: geringere Rückfallgefahr, längeres Überleben

Ihre Daten verglichen sie mit den US-Empfehlungen zur körperlichen Aktivität. Diese raten dazu, wöchentlich mindestens 2,5 Stunden moderat oder 1,25 Stunden intensiv körperlich aktiv zu sein. Die Wissenschaftler kamen bei ihrer Auswertung zu folgenden Ergebnissen:

  • Frauen, die vor und nach der Chemotherapie auch nur das empfohlene Minimum an Sport trieben, hätten ein deutlich niedrigeres Rückfallrisiko – es sank um 55 Prozent. Auch das Sterberisiko nahm deutlich ab – es lag 68 Prozent niedriger.
  • Auch Frauen, die erst nach der Krebsbehandlung mit der körperliche Aktivität begannen, profitierten von der Bewegung. Ihr Rückfallrisiko sank um 46 Prozent und die Sterbewahrscheinlichkeit um 43 Prozent.
  • Schon wenige Stunden regelmäßiger Bewegung pro Woche haben den gleichen Effekt auf die Überlebenswahrscheinlichkeit wie längere Phasen körperlicher Aktivitäten.

„Wenn wir uns so wenig wie zweieinhalb Stunde Training pro Woche vornehmen – das ist das Minium der internationalen Empfehlungen zum Sport – kann dies große Auswirkungen für Frauen mit einem hohen Brustkrebsrisiko haben“, erklärt Studienleiterin Cannioto. „Ausserdem ist eine geringe körperliche Aktivität genauso gut wie längere Workouts.“

Auch wer nach einer Brustkrebserkrankung mit dem Sport anfängt, profitiert noch und kann  sein Leben verbessern. „Es ist also nie zu spät, mit dem Walking, Yoga, Radfahren oder Schwimmen anzufangen – körperliche Aktivität scheint sich tatsächlich auszuzahlen“, sagt Cannioto.

Quellen:

  • Cannioto RA. et al. Physical activity before, during and after chemotherapy for high-risk breast cancer: relationships with survival. JNCI: Journal of the National Cancer Institute, djaa046, https://doi.org/10.1093/jnci/djaa046, 2. April 2020
  • SWOG Cancer Research Network: „A Little Physical Activity Pays Big Dividends“, 21. Mai 2020, https://www.swog.org/news-events/news/2020/05/21/little-physical-activity-pays-big-dividends

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Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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