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Brustkrebs – so hoch ist die Rückfallgefahr

Brustkrebs - ein Rückfall kann auch viele Jahre später noch kommen.
Brustkrebs - ein Rückfall kann auch viele Jahre später noch kommen. © shevacreations/Pixabay

Nach einer Brustkrebserkrankung einen Rückfall zu haben – das ist der Albtraum aller Frauen, die Brustkrebs hatten. Doch wie hoch ist die Rückfallgefahr tatsächlich?

Kommt der Brustkrebs wieder oder bleibt er verschwunden? Diese Frage ist für alle Frauen, die einmal an Brustkrebs erkrankt sind, entscheidend. Im besten Fall haben die Krebstherapien wie Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und Antihormontherapien angeschlagen und der Brustkrebs tritt nie wieder auf. Das hoffen alle Frauen, die einmal eine Brustkrebserkrankung durchlebt haben. Forscher um Marco Colleonie vom European Institute of Oncology in Mailand untersuchten jetzt in einer aktuellen Studie, wie hoch die Rückfallgefahr bei Brustkrebs über einen Zeitraum von 24 Jahren ist.

Brustkrebs – Rückfallgefahr in den ersten fünf Jahren am höchsten

An der Untersuchung nahmen 4105 Frauen der International Breast Cancer Study Group clinical trials I to V teil, die zwischen 1978 und 1985 an Brustkrebs erkrankt waren. 24 Jahre lang wurden sie jährlich untersucht, ob sie einen Brustkrebsrückfall hatten. Erfasst wurden die brustkrebsfreien Intervalle, das krankheitsfreie Überleben sowie die Gesamtüberlebensrate.

Das Ergebnis der Forscher: Die Gefahr, dass der Brustkrebs zurückkehrte, war für alle Frauen in den ersten fünf Jahren am höchsten. Die Rückfallgefahr lag im Schnitt bei 10,4 Prozent. Allerdings gab es zwischen dem ersten und zweiten Jahr nach der Brustkrebsdiagnose einen Höchstwert mit 15,2 Prozent. Frauen, deren Brustkrebs hormonempfindlich war – also unter Hormoneinfluss wuchs (ER-positiv), erlitten seltener einen Rückfall als Frauen mit einem hormonrezeptornegativem Brustkrebs (9,9 Prozent im Vergleich zu 11,5 Prozent).

Hormonempfindlicher Brustkrebs – Rückfallgefahr bleibt hoch

Diese Verhältnis änderte sich allerdings, je mehr Jahre nach der Brustkrebserkrankung vergangen waren: Jetzt hatten Frauen mit hormonempfindlichem Brustkrebs ein höhere Rückfallrisiko. Nach fünf bis zehn Jahren lag es bei 5,4 Prozent (3,3 Prozent bei ER-negativem Brustkrebs), nach 10 bis 15 Jahren bei 2,9 Prozent (versus 1,3 Prozent), nach 15 bis 20 Jahren bei 2,8 Prozent (versus 1,2 Prozent). Nach 20 bis 25 Jahren war das Rückfallrisiko bei beiden Brustkrebsarten nahezu ausgeglichen: 1,3 Prozent für Frauen mit hormonempfindlichen Brustkrebs und 1,4 Prozent für Frauen mit hormonunempfindlichen Brusttumoren.

„Bei Brustkrebspatientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs blieben die jährlichen Rückfallraten erhöht und reichlich stabil nach zehn Jahren“, schreiben die Autoren. „Das galt selbst für Brustkrebspatientinnen, bei denen die Lymphknoten nicht vom Krebs betroffen waren“, sagen die Forscher.

Das Fazit: Frauen mit hormonempfindlichem Brustkrebs tragen ein deutlich erhöhtes Rückfallrisiko auch noch nach vielen Jahren in sich. Für diese Frauen müssten Strategien entwickelt für die Nachsorge und die Therapie werden, um Rückfälle zu verhindern, raten die Forscher.

Antihormontherapie als Brustkrebsschutz

Für Frauen, deren Brustkrebs unter dem Einfluss der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron wächst, dürfte es keine gute Nachricht sein, dass das Rückfallrisiko selbst nach so vielen Jahren weiterhin erhöht bleibt. Bei immerhin gut zwei Drittel aller Brustkrebserkrankungen besitzt der Tumor solche Andockstellen für Hormone; die Krebszellen teilen und vermehren sich also unter Hormoneinfluss. Eine wichtige Säule der Brustkrebstherapie ist allerdings, diese Hormonrezeptoren durch eine Antihormontherapie zu blockieren. Eingesetzt werden Antiöstrogen wie Tamoxifen, die schon seit Jahren auf dem Markt sind, und welche die Rezeptoren der Tumorzellen blockieren. Die Östrogene, die der Körper weiterhin normal bildet, können somit nicht mehr andocken. Nach der Menopause kommt der Einsatz von Aromatasehemmern in Frage – sie unterbinden die Produktion der Östrogene.  Die dritte Gruppe antihormoneller Medikamente gegen Brustkrebs sind GnRH-Analoga, welche die Bildung von Östrogen herabsetzen. Die Antihormontherapie gilt als extrem effektiv, um Brustkrebsrückfälle zu verhindern.

Quelle:

  • Colleoni Marco et al. Annual Hazard Rates of Recurrence for Breast Cancer During 24 Years of Follow-Up: Results From the International Breast Cancer Study Group Trials I to V. Journal of Clinical Oncology. Vorabveröffentlichung online: 19. Januar 2016, doi: 10.1200/JCO.2015.62.3504

Weiterführende Informationen

Ingrid Müller

Ingrid Müller ist freie Medizinjournalistin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, Springer und Funke. Sie ist Buchautorin, arbeitet an digitalen Gesundheitsprojekten sowie der Gründung der Prostata Hilfe Deutschland e.V. für Männer mit Prostatakrebs mit.

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