Brustkrebs – nächtliches Fasten senkt die Rückfallgefahr

Frauen mit Brustkrebs fürchten kaum etwas so sehr wie einen Rückfall. Doch wer über Nacht längere Zeit fastet, senkt das Risiko, dass der Brustkrebs zurückkehrt.

13 Stunden Fasten über Nacht. Diese Zeitspanne haben US-Forscher von der University of California, San Diego, ausgemacht, um das Rückfallrisiko nach einer Brustkrebserkrankung zu bannen. Wer umgekehrt weniger als 13 Stunden nichts isst, läuft Gefahr, dass der Brustkrebs schneller zurückkehrt.

Brustkrebs und die Ernährungsweise

An der Studie nahmen mehr als 2,400 Frauen teil, die an Brustkrebs im Frühstadium erkrankt waren und nicht unter der Zuckerkrankheit Diabetes litten. Sie waren zwischen 27 und 70 Jahre alt. Im Rahmen der Women’s Healthy Eating and Living Studie hatten sie zwischen 1995 und 2007 selbst Angaben zu ihren Ernährungsgewohnheiten gemacht.

Die Forscher um Ruth E. Patterson untersuchten jetzt, ob sich anhand der Zeit, die Frauen mit Brustkrebs nachts aufs Essen verzichteten, Rückschlüsse über die Rückfallgefahr – und damit die Krebsprognose machen lässt. Auch das Auftreten neuer primärer Brusttumore sowie die Sterberate durch den bösartigen Tumor und andere Ursachen wurden im Beobachtungszeitraum von mehreren Jahren festgehalten.

Brustkrebs – weniger Rückfälle dank Fasten

Wer weniger als 13 Stunden in der Nacht fastete, hatte ein 36 Prozent höheres Risiko, dass der Brustkrebs zurückkehrte als jene Frauen, die 13 und mehr Stunden aufs Essen verzichteten. Das kürzere Fasten war aber nicht mit einem höheren Sterberisiko durch Brustkrebs oder andere Ursachen verknüpft. Die Analyse ergab auch, dass jede zwei Stunden mehr Fasten mit niedrigeren HbA1c-Spiegeln (dem Blutzuckergedächtnis) und einer längeren Schlafdauer in der Nacht verbunden waren. Eine Einschränkung sei aber, dass die Studie Fragebögen nutzte, welche die Frauen selbst ausgefüllt hatten – dies könne die Ergebnisse verzerren.

„Eine längere nächtliche Fastendauer könnte eine einfache, leicht praktikable und nicht-medikamentöse Strategie sei, um die Rückfallgefahr bei Brustkrebs und vielleicht sogar für andere Krebsarten zu senken“, sagt Catherine Marinac vom UC San Diego Moores Cancer Center, die Hauptautorin der Studie. „Frühere Studien haben sich darauf konzentriert, was wir essen müssen, um Krebs zu verhindern. Aber wann wir essen, könnte ebenfalls eine Rolle spielen, weil es die Gesundheit des Stoffwechsels zu beeinträchtigen scheint“, so Marinac weiter.

Weil bei längerem Nahrungsverzicht auch die HbA1c-Werte niedriger waren und sich die Schlafdauer erhöhte, könnte auch das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Krebsarten niedriger sein, so die Forscher.

Fasten lässt auch Krebstumore schrumpfen

Dass Fasten sich positiv bei einer Krebserkrankung auswirkt, hatten US-Forscher der University of  Southern California schon vor einigen Jahren nachgewiesen – allerdings nur in Versuchen an Mäusen. Getestet wurde die 48-stündige Fastenkur bei Brustkrebs, Hautkrebs und Hirntumore. Kurzzeitiges Fasten vor einer Chemotherapie ließ die Krebstumore schrumpfen und verringerte Metastasen. Bei Nagern, die zwei Tage vor einer Chemotherapie nichts zu fressen bekamen, wirkte die Chemotherapie deutlich besser als bei Tieren, die normal gefüttert wurden. Die Kombination aus Fasten und Chemotherapie war also deutlich effektiver als die Zytostatika allein.

Wichtig ist aber, dass Frauen mit Brustkrebs nicht auf eigene Faust fasten – ohne dass der behandelnde Arzt dies weiß!

Quellen:

  • Patterson RE et al. Prolonged Nightly Fasting and Breast Cancer Prognosis. Journal of the American Medical Association Oncology, JAMA Oncol. 31. März 2016, doi:10.1001/jamaoncol.2016.0164
  • Longo VD et al. Fasting Cycles Retard Growth of Tumors and Sensitize a Range of Cancer Cell Types to Chemotherapy. Science Translational Medicine, 8. Februar 2012, DOI: 10.1126/scitranslmed.3003293

 

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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