Schützt Soja vor dem Brustkrebs-Rückfall?

Soja gilt als gesunder Fleischersatz unter Vegetariern und Veganern. Doch für Frauen mit Brustkrebs waren Sojaprodukte bislang eher tabu. Doch das könnte sich jetzt ändern, denn Soja könnte Frauen mit Brustkrebs vor einem Rückfall schützen.

Tofu, Sojamilch, Sojaschnitzel und Co sind beliebt unter den Liebhabern pflanzlicher Lebensmittel. Die Wunderbohne Soja gilt zudem als sehr gute Eiweißquelle. Doch Ärzte raten Frauen mit Brustkrebs seit langem, besser die Finger von Soja und Sojaprodukten zu lassen. Vor allem, wenn sie unter einem Brusttumor leiden, der unter dem Einfluss weiblicher Geschlechtshormone wächst. Und das ist bei fast 75 Prozent aller Brustkrebspatientinnen der Fall. Denn Soja enthält Phytoöstrogene, die eine östrogenähnliche Wirkung haben. Damit könne Soja – so die Warnung der Ärzte – die Vermehrung von Brustkrebszellen fördern und die Wirksamkeit einer Antihormontherapie dämpfen.

Weniger Rückfälle dank Soja

Forscher des Georgetown Lombardi Comprehensive Cancer Center kommen in ihrer aktuellen Studie jetzt zu einem anderen Schluss – allerdings nur in einer Studie an Tieren. Soja kurbelt das Immunsystem an und könnte so eine Rückkehr des Brustkrebses verhindern. Ihre Ergebnisse präsentierten sie auf dem American Association for Cancer Research (AACR) Annual Meeting 2015, Pennsylvania.

Aus früheren Untersuchungen an Ratten wussten die Forscher, dass bei Tieren, die ihr gesamtes Leben Soja mit der Substanz Genistein konsumiert hatten, eine Antihormontherapie besser wirkte als bei Nagern, die sojafrei ernährt worden waren. Zudem erleben die Soja-Ratten auch weniger Krebsrückfälle. Genistein kommt in Sojabohnen, dicken Bohnen und Sojamilch vor.

Soja aktiviert die Immunabwehr

Die Wissenschaftler um die Krebsärztin Prof. Leena Hilakivi-Clarke prüften nun, ob eine veränderte Immunantwort der Tumorzellen dafür verantwortlich war.

Vor der Pubertät fütterten die Forscher Ratten regelmäßig mit Genistein. Dann nahmen sie die T-Zellen des Immunsystems unter die Lupe, die Tumorzellen erkennen und angreifen können. Andere Immunzellen unterbinden dagegen diese Fähigkeit der T-Zellen – dann versagt die Kontrolle des Immunsystems und die Brustkrebszellen vermehren sich.

Die Forscher fanden heraus, dass die Immunantwort der T-Zellen bereits aktiviert worden war, bevor die Tiere mit dem gängigen Antiöstrogen Tamoxifen therapiert wurden. Dies könnte erklären, warum die lebenslange Einnahme von Genistein das Rückfallrisiko bei Brustkrebs senkt. „Genistein kann die Immunantwort gegen den Tumor steigern und Mechanismen unterdrücken, die das Immunsystem herunterfahren“, sagt Hilakivi-Clarke. Allerdings – und das ist eine Einschränkung – müsse das Soja schon vor der Entstehung von Brustkrebs konsumiert werden, um eine ausreichende Immunantwort auszulösen.

Vorteile für Soja-Esserinnen

Auch frühere Studien waren zu dem Ergebnis gekommen, dass Brustkrebspatientinnen, die über lange Zeit mehr als zehn Milligramm Isoflavone täglich aufnahmen, ein niedrigeres Risiko für einen Rückfall hatten als Frauen, die weniger als vier Milligramm pro Tag konsumiert hatten.

Für Frauen, die Sojaprodukte über einen langen Zeitraum auf dem Speisezettel hatten, könnte dies eine gute Nachricht sein, glauben die Forscher. Manche Frauen verzichteten gänzlich auf Sojaprodukte, obwohl ihre Gesundheit davon profizieren könne, so Hilakivi-Clarke.

Brustkrebs – so viel Soja darf es sein
Dass auch Frauen mit Brustkrebs Soja und Sojaprodukte essen können, dafür hatte sich das American Institute for Cancer Research (AICR) schon im Jahr 2012 ausgesprochen. Das AICR hatte mehr als 40 Studien ausgewertet. Allerdings solle sich der Verzehr sojahaltiger Lebensmittel im „normalen Rahmen“ bewegen, so die Krebsexperten. Gemeint sind damit zwei Portionen eines sojahaltigen Lebensmittels pro Tag. Eine Portion entspricht beispielsweise einem knappen Viertelliter Sojamilch oder rund 85 Gramm Tofu beziehungsweise gekochten Sojabohnen.

Quellen:

  • Deutsches Krebsforschungszentrum (dkfz), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 22.4.2015)
  • Hilakivi-Clarke, L. et al.: „Animal Study Shows Why Long Time Consumption of Soyfoods Reduces Breast Cancer Recurrence“, American Association for Cancer Research (AACR) Annual Meeting 2015, Pennsylvania;

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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