Intelligenter BH soll Brustkrebs aufspüren

Bald soll es eine Alternative zur Mammografie geben: Einen intelligenten BH, der Brustkrebs sicher erkennen kann.

Das wäre ein Traum für vermutlich die meisten Frauen: Sich die lästige und manchmal schmerzhafte Mammografie zu ersparen. Ein US-Unternehmen ist dieser Vision jetzt einen Schritt näher gekommen. Es hat einen schlauen BH entwickelt, der bösartige Tumoren in der Brust entdecken soll. iTBra heißt der intelligente Büstenhalter. Optisch sieht das tragbare Gerät aus wie mehrere übereinander geklebte Pflaster. Die Streifen stecken aber voller Elektronik und Frauen tragen sie einmal pro Monat tagsüber unter der Kleidung oder nachts im Bett. Die Pflaster lassen sich in jedem normalen BH unterbringen. „Kein Quetschen, keine Strahlung, ein smarte tragbare Technologie“, verspricht der Hersteller Cyrcadia Health. Wer würde sich das nicht wünschen…

Brustkrebs-Früherkennung mit BH

Noch klingt das ein wenig nach Science Fiction, aber den Entwicklern zufolge könnte der Brustkrebs-BH bald Realität werden. Das Prinzip ist einfach: Mehrere Sensoren messen die Brusttemperatur. Eine Erhöhung ist ein Indiz für eine gesteigerte Durchblutung, die mit dem Wachstum von Krebstumoren einhergeht. Zudem erkennen die sensiblen Fühler im BH eine höhere Zellaktivität, was ebenfalls ein Hinweis auf eine Brustkrebserkrankung sein kann. „Die Sensoren messen, was mit den zirkadianen Temperaturmustern über die Zeit in der Brust passiert“, erklärt Rob Royea, der CEO der Firma.

Frauen tragen die unsichtbaren Sensoren für 12 bis 24 Stunden im BH. Dann werden die Daten automatisch über eine WLAN-Verbindung an das Smartphone der Trägerin und ihres behandelnden Arztes geschickt. Der BH könne so besser und früher als die Mammografie Hinweise auf bösartige Knoten in der Brust liefern, hoffen die Forscher. Denn eine frühzeitige Entdeckung von Brustkrebs erhöht die Heilungschancen enorm und lässt auch die Therapien weniger hart ausfallen. Die wärmebasierte Methode sei vor allem für Frauen mit einem dichten Brustgewebe hilfreich, denn hier sind Brusttumoren mit der herkömmlichen Mammographie leicht zu übersehen. Hilfreich könnte der schlaue BH auch für Frauen sein, die ihre Brüste selbst zu unregelmäßig abtasten oder nicht wissen, wie die Tasttechnik richtig funktioniert.

iTBra im klinischen Test

Derzeit wird der iTbra in einer klinischen Studie am Al Camino Hospital im Silicon Valley Mountain View, California getestet. Die Frauen tragen den schlauen Bra über unterschiedliche Zeitspannen. Das Ziel sei es, schon nach zwei Stunde exakte Aufzeichnungen zu erhalten.

Ab dem Jahr 2016 könne der iTBra als Alternative zur Mammografie auf den Markt kommen, hofft Royea. Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) überprüft den BH derzeit. Ärzte könnten den BH verschreiben, er werde aber auch im Internet und in der Apotheke erhältlich sein.

Weitere Informationen unter http://cyrcadiahealth.com (Abruf: 4.3.2015)

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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