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Brustkrebs – Chemotherapie schädigt Immunsystem dauerhaft

Chemotherapie schädigt das Immunsystem
Chemo schädigt Abwehrkraft ©Björn Braun/Fotolia

Frauen, die eine Brustkrebserkrankung überlebt haben, sind noch Jahre später anfällig für Infektion mit Viren und Bakterien. Das Immunsystem nimmt länger andauernden Schaden.

Eine Chemotherapie kann zwar Brustkrebs wirkungsvoll bekämpfen und die Überlebenszeit erhöhen, hat aber erhebliche Nebenwirkungen. Das Immunsystem gerät in Schieflage, weil die Chemotherapie nicht nur die Krebszellen, sondern auch gesunde Zellen angreift. Und dazu zählen auch Immunzellen. Forscher der University of Leeds untersuchten jetzt, welche Effekte die Chemotherapie bei Frauen mit Brustkrebs neun Monate später hat. Auch noch lange nach der Chemotherapie fehlten den ehemaligen Brustkrebspatientinnen aufgrund des geschädigten Immunsystems ausreichende Mengen an Antikörpern, um gängige Krankheiten wie virale oder bakterielle Infektionen zu bekämpfen, so die Forscher.

Brustkrebs – angeschlagenes Immunsystem nach Chemotherapie

Viele Studien hatten die Effekte der Chemotherapie auf das Immunsystem während und kurz nach der Behandlung mit Zytostatika untersucht. Aber wenig war bislang bekannt über die Langzeiteffekte der Chemotherapie auf die Immunität der Krebspatienten. An der Studie nahmen 88 Frauen mit Brustkrebs teil, die sich alle einer Chemotherapie unterzogen hatten.

Bestimmt wurde die Menge verschiedener Lymphozyten-Typen vor und bis zu neun Monate nach einer Chemotherapie. Lymphozyten zählen zu einer Gruppe weißer Blutzellen, die an der Immunreaktion des Körpers beteiligt sind. Die Chemotherapie ließ bei Brustkrebspatientinnen sämtliche Haupttypen von Lymphozyten deutlich sinken – auch noch neun Monate nach der Behandlung. Vermindert waren vor allem die Konzentrationen an T- und B-Lymphozyten sowie die der natürlichen Killerzellen, die in einer Gemeinschaftsaktion Viren und Bakterien bekämpfen und den Körper vor den Eindringlingen schützen.

Frauen bleiben nach Chemotherapie anfällig für Infektionen

In der Regel war die Wirkung der Chemotherapie auf die meisten Lymphozyten-Typen nur kurzfristig – die meisten Immunzellen erholten sich innerhalb von neun Monaten wieder. Aber nicht alle: Auf die B-Zellen, welche Antikörper produzieren, und die T-Helfer-Zellen – sie unterstützen die Antikörperproduktion –  hatte die Chemotherapie einen nachhaltigeren Effekt. Diese Immunzellen erholten sich nur teilweise wieder und erreichten lediglich 65 Prozent der Ausgangskonzentration vor der Chemotherapie in den ersten sechs Monaten. Auch nach neun Monaten hatten sie sich nicht vollständig erholt.

Zudem waren die Mengen an Antikörpern gegen Tetanus und Pneumokokken – den Auslösern der Lungenentzündung – reduziert und blieben es auch noch neun Monate später. „Diese Veränderungen machen die Patientinnen anfällig für Infektionen, auch wenn sie Jahre zuvor gegen bestimmte Infektionskrankheiten geimpft worden waren“, schreiben die Forscher.

Immunsystem im Keller – Art der Chemotherapie entscheidend

Die Forscher untersuchten auch die Effekte unterschiedlicher Zytostatika, die im Rahmen verschiedener Chemotherapie-Schemata eingesetzt werden. Verglichen wurden die Wirkung von Anthracylinen alleine und die Gabe dieser Chemotherapeutika gefolgt von Taxanen. Wurden nur Anthracycline verabreicht, war der Schaden für die B- und T-Helfer-Zellen anfangs am höchsten. Allerdings erholten sich die Immunzellen nach der Chemotherapie mit Anthracyclinen wieder vollständig. Die Gabe von Anthracylinen, gefolgt von Taxanen resultierte in dauerhaft reduzierten Konzentrationen dieser Immunzellen – sie erholten sich kaum mehr.

Brustkrebs – Rauchen dämpft das Immunsystem

Auch das Rauchen schien die Erholung einige Immunzellen zu verlangsamen. Raucherinnen erreichten nach neun Monaten nur 50 Prozent der Immunzellenkonzentrationen, die sie vor der Chemotherapie hatten. Bei den Nichtraucherinnen waren es 80 Prozent. „Wir waren überrascht, dass der Einfluss der Chemotherapie so lange anhält“, sagt Thomas Hughes von der University of Leeds. Erstaunlich sei es auch gewesen, dass das Rauchen und die Auswahl des Chemotherapeutikums die Erholung des Immunsystems deutlich beeinflusste, so Hughes. „Wenn wir in Zukunft die Behandlung von Brustkrebs planen, müssen wir die zukünftige Immungesundheit der Brustkrebspatientinnen stärker ins Auge fassen.“

Quelle:

Rashmi Verma; Ruth E Foster; Kieran Horgan; Katherine Mounsey; Helen Nixon; Natuley Smalle; Thomas A Hughes, MA DPhil; Clive RD Carter . Lymphocyte depletion and repopulation after chemotherapy for primary breast cancer. Breast Cancer Research 2015, https://dx.doi.org/10.1186/s13058-015-0669-x

Ingrid Müller

Ingrid Müller ist freie Medizinjournalistin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, Springer und Funke. Sie ist Buchautorin, arbeitet an digitalen Gesundheitsprojekten sowie der Gründung der Prostata Hilfe Deutschland e.V. für Männer mit Prostatakrebs mit.

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