Rotes Fleisch erhöht Brustkrebsrisiko

Rotes Fleisch wie Rind, Schwein oder Lamm sollten Frauen in Maßen genießen – denn der Konsum wirkt sich auf das Brustkrebsrisiko aus.

Die Ernährung spielt offenbar auch bei der Entwicklung von Brustkrebs eine Rolle. Übergewicht gilt schon lange als Risikofaktor für die Krankheit. Jetzt haben Forscher einen neuen Zusammenhang entdeckt: Der Genuss von rotem Fleisch  – also Rind, Schwein oder Lamm – wirkt sich auch auf das Brustkrebsrisiko aus. Frauen im jungen Erwachsenenalter lassen ihr Risiko um rund 22 Prozent klettern, wenn sie zu Rind statt Geflügel greifen, fanden Forscher der Harvard School of Public Health in Boston, Massachusetts.

Rotes Fleisch lässt Brustkrebsrisiko klettern

An der Langzeitstudie nahmen 88.803 Frauen vor der Menopause teil, die im Rahmen der Nurses’ Health Study II im Jahr 1991 Angaben zu ihrer Ernährungsweise gemacht hatten. Im Schnitt waren die Frauen zu diesem Zeitpunkt 36 Jahre alt. Die Forscher um Farvid teilten sie – je nach rotem Fleischkonsum – in fünf Gruppen ein. Der geringste Verzehr lag bei etwa 0,2 Portionen pro Tag, der höchste bei 1,6 Portionen täglich. Dann untersuchten sie, wie viele Frauen in den  folgenden 20 Jahren die Diagnose Brustkrebs erhielten – es waren 2830 Fälle.

Ein hoher Konsum von rotem Fleisch war mit einem höheren Risiko für das Mammakarzinom verknüpft. Frauen, die 1991 am meisten rotes Fleisch verzehrt hatten, hatten demnach ein rund 22 Prozent höheres Brustkrebsrisiko als diejenigen, die am seltensten zu Rind, Schwein oder Wurst gegriffen hatten. Dagegen hatte eine hohe Aufnahme von Geflügel (Hähnchen, Pute etc.), Fisch, Eiern, Hülsenfrüchten und Nüssen keinen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko.
Bei Frauen nach den Wechseljahren schlug sich eine hohe Aufnahme an Geflügel sogar in einem niedrigeren Brustkrebsrisiko nieder. Dieser Zusammenhang galt nicht für Frauen vor den Wechseljahren.

Interessant war auch der Effekt, wenn die Frauen verschiedene Eiweißquellen gegeneinander austauschten. Wer eine Portion Hülsenfrüchte pro Tag als Ersatz für eine Portion rotes Fleisch aß, senkte sein Brustkrebsrisiko um 15 Prozent (im Vergleich zu allen Frauen). Bei den Damen vor den Wechseljahren waren es sogar 19 Prozent. Und wer eine Portion Geflügel pro Tag als Ersatz für das rote Fleisch verzehrte, hatte ein 17 Prozent niedrigeres Brustkrebsrisiko. Bei den Frauen nach den Wechseljahren waren es 24 Prozent.

Das Risiko ging um 14 Prozent zurück, wenn Frauen anstelle des Schweine- oder Rindfleischs eine Kombination aus Hülsenfrüchten, Nüssen, Geflügel und Fisch pro Tag verzehrten. „Ein hoher Konsum von rotem Fleisch in jungen Jahren könnte ein Risikofaktor für Brustkrebs sein“, schlussfolgern die Autoren.

Einfluss auf Krebsrisiko schon in jungen Jahren

Der mögliche Einfluss von Nahrungseiweißen auf das Brustkrebsrisiko steht schon länger im wissenschaftlichen Interesse. Eine hohe Proteinaufnahme könnte den Spiegel des insulin-like-growth-factors 1 erhöhen – diese Substanz ist wichtig für die Gewebeteilung und das Tumorwachstum. Und Nahrungsmittel sind ja die wichtigste Proteinquelle für Menschen. Allerdings hatte frühere Studien keinen Zusammenhang zwischen rotem Fleisch und dem Brustkrebsrisiko nachweisen können. Die Erklärung der Forscher: Frühere Studien hätten die Ernährungsgewohnheiten im mittleren bis älteren Erwachsenenalter aufs Krebsrisiko untersucht. Es gebe jedoch Hinweise darauf, dass die Lebensumstände im jüngeren Erwachsenenalter einen stärkeren Einfluss auf das Krebsrisiko hätten.

Quelle: Farvid, M.S. et al.: „Dietary protein sources in early adulthood and breast cancer incidence: prospective cohort study“, British Medical Journal (BMJ), 348:g3437, 10. Juni 2014, doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.g3437

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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