Brustkrebs: Musik, Meditation und Yoga als Therapiehelfer

Die Komplementärmedizin wenden viele Frauen mit Brustkrebs an. Ein neuer Maßnahmenkatalog zeigt, was bei Ängsten, Stimmungsschwankungen oder Fatigue nützt – und was nicht.

Vielen Frauen mit Brustkrebs machen Ängste, Depressionen oder Stimmungsschwankungen während der Krebsbehandlungen zu schaffen, oft auch noch lange danach. Was hilft dagegen? Einige Antworten gibt jetzt die aktualisierte Leitlinie der US-amerikanischen Society for Integrative Oncology (SIO). Die Ratschläge zur Komplementärmedizin, die Krebsärzte den Frauen zukünftig geben könnten, klingen eigentlich einfach: Musik, Meditation und eine Yoga-Matte! Diese und andere ergänzenden Behandlungen sollen helfen, die Folgen der Brustkrebserkrankung und die Nebenwirkungen der Therapien besser abzufedern.

Der neue Maßnahmenkatalog wurde auf dem Treffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2019 vorgestellt. „Frauen, die sich einer Brustkrebsbehandlung unterziehen würden vermutlich jedes erdenkliche Mittel ergreifen, um die Wirksamkeit der Therapie zu steigern und ihre Lebensqualität zu verbessern“, weiß der Leitlinienautor Dr. Gary Lyman vom Fred Hutchinson Cancer Research Center.

Literatur durchforstet: Welche Behandlungen wirken, welche nicht und welche sind gefährlich?

Dr. Gary Lyman

Viele Krebspatienten nutzen die Komplementärmedizin

Wie Recht er damit haben könnte, zeigt eine neue Studie vom UT Southwestern Medical Center: Rund ein Drittel aller Krebspatienten wenden ergänzend alternative Heilmethoden an. Am häufigsten nutzten sie die Pflanzenmedizin, gefolgt von Chiropraktik und Osteopathie. Besonders junge Krebspatienten und Frauen wendeten die Alternativmedizin an, aber oft ohne das Wissen ihres Arztes.

Gary Lyman sagt: „Unser Ziel ist es, dass Krebsspezialisten und Frauen sich für wirksame, individuell geeignete Behandlungen entscheiden können. Wir haben die medizinische Literatur zu komplementären Behandlungsmethoden durchforstet, um herauszufinden, welche Therapien funktionieren, welche wirkungslos sind und welche womöglich sogar die Gesundheit gefährden.“

Brustkrebs: Was hilft gegen Ängste, Übelkeit oder Stress?

Ängste und Stress+ Musiktherapie, Meditation (vor allem Achtsamkeitstraining), Stressmanagement und Yoga sind empfohlen.
+ Beim Stressmanagement sind längere Trainingseinheiten in Gruppen besser als kürzere und als Trainings in den eigenen vier Wänden.
+ Akupunktur, Massage und Entspannungstechniken können Sie erwägen.
Depressionen, Stimmungsschwankungen+ Meditation, Entspannungstechniken, Yoga, Massagen und Musiktherapie sind empfehlenswert.
+ Akupunktur, heilsames Berühren (Healing Touch) und Stressmanagement könnten vielleicht depressive Symptome und die Stimmung verbessern.
Lebensqualität+ Meditation und Yoga können die Lebensqualität nachweislich verbessern.
+ In Erwägung ziehen können Sie eventuell Akupunktur, Misteltherapie, Qigong, Reflexzonenmassage und Stressmanagement.
Übelkeit und Ebrechen bei Chemotherapie + Akupressur und Elektroakupunktur sind eine Möglichkeit als Ergänzung zu Medikamenten (Antiemetika).
+ Auch Ingwer und Entspannungsmethoden könnten vielleicht ergänzend helfen
Schlafstörungen + Sanftes Yoga könnte eventuell die Schlafqualität verbessern.
Fatigue + Hypnose und Ginseng könnten eventuell die Fatigue während der Behandlung verbessern.
+ Nach der Krebsbehandlung könnten Akupunktur und Yoga geeignete Maßnahmen gegen die Erschöpfung sein.
Lymphödem + Eventuell können die Lasertherapie (Low-level Laser Therapie), manuelle Lymphdrainage und Kompressionsverbände ein Lymphödem verbessern.
Schmerzen + Akupunktur, heilsames Berühren (Healing Touch), Hypnose und Musiktherapie könnten eine Möglichkeit sein, um Schmerzen zu managen.
Hitzewallungen + Akupunktur können Sie bei Hitzewallungen in Erwägung ziehen.

Komplementärmedizin, die bei Brustkrebs nicht empfohlen ist

Glutamin + Glutamin verbessert die Übelkeit und das Erbrechen bei einer Chemotherapie nicht.
Acetyl-L-Carnitin + Acetyl-L-Carnitin kann nicht vor Nervenschäden (Neuropathie) schützen, die durch eine Chemotherapie verursacht werden. Es könnte sogar gefährlich sein.
Nahrungsergänzungsmittel + Dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gegen die Nebenwirkungen der Brustkrebsbehandlung wirkt, dafür gibt es keine genügenden Nachweise.
Aloe vera und Hyaluronsäure-Creme + Beide können akute Hautreaktionen durch die Strahlentherapie – die Radiodermatitis – nicht verbessern.
Guarana und Acety-L-Carnitin + Beide sind nicht empfohlen, um die Fatigue während der Krebsbehandlung zu lindern.
Soja + Für Frauen mit Brustkrebs ist Soja nicht bei Hitzewallungen empfohlen – die Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen ist.

Onkologen sollten diese Empfehlungen immer nur als Vorschläge und Orientierungshilfe verstehen, denn Frauen mit Brustkrebs sind individuell sehr verschieden.

Quellen:

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Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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