Antihormontherapie: Positiv denken, weniger Nebenwirkungen

Die Antihormontherapie schützt Frauen mit Brustkrebs wirksam vor einem Rückfall. Oft haben es die Tabletten aber in sich. Doch wer positiv denkt, leidet auch weniger unter den Nebenwirkungen.

Postiv denken – dann sinken die Nebenwirkungen eines Medikaments. Das klingt einfach, aber an der Kraft der guten Gedanken scheint etwas dran zu sein. Denn die Erwartungshaltung von Frauen, die sich nach einer Brustkrebserkrankungen einer Antihormontherapie unterziehen, scheint einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Häufigkeit und Stärke der Nebenwirkungen von Tamoxifen und Co zu haben. Brustkrebspatientinnen, die sich vor dem Behandlungsbeginn das Schlimmste ausmalten, erlitten tatsächlich häufigere und heftigere Nebenwirkungen. Dies fanden Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf heraus.

Antihormontherapie- die Erwartungen der Frauen

Die klinische Studie wurde im Brustkrebszentrum der Universität Marburg durchgeführt. Teilnehmerinnen waren 111 Frauen, die an einem Brustkrebs erkrankt waren, der unter Hormoneinfluss wuchs, also hormonrezeptorpositiv war. Als Antihormontherapie wurden entweder Tamoxifen oder Aromatasehemmer wie Exemestan eingesetzt. Die Forscher befragten die Patientinnen zu Beginn der Studie, welche Erwartungen sie bezüglich der Wirkung der antihormonellen Therapie hatten. Nach drei Monaten sowie nach zwei Jahren wurden die Brustkrebspatientinnen erneut befragt.

Antihormontherapie – positives Denken lindert Nebenwirkungen

Frauen, die vor Beginn der Behandlung mit häufigen und starken Nebenwirkungen gerechnet hatten, traten nach einer zweijährigen Antihormontherapie tatsächlich mehr der unangenehmen Effekte auf. Bei ihnen verzeichneten die Forscher fast doppelt so viele Nebenwirkungen wie bei Frauen, die der Therapie von Anfang an positiv gegenüber gestanden hatten. Auch Frauen mit Brustkrebs, welche die Nebenwirkungen als weniger stark eingeschätzt hatten, schnitten deutlich besser ab. Die häufigste Nebenwirkung waren Gelenkschmerzen (71.3 Prozent), gefolgt von Gewichtszunahmen (53.4 Prozent) und Hitzewallungen (46.5 Prozent).

„Die Erwartungen sind ein klinisch relevanter Faktor, der das langfristige Ergebnis der Hormontherapie beeinflusst“, fasst die Studienleiterin Prof. Yvonne Nestoriuc zusammen. Durch psychologische Prävention könnten Fachleute die Erwartungshaltung der Frauen in eine positive Richtung wenden und so die Belastung durch die Nebenwirkungen der Antihormontherapie verringern. „So ließe sich der Behandlungserfolg bei antihormonellen Therapien steigern“, glaubt Nestoriuc. Tatsache ist nämlich, dass viele Frauen die Medikamente gegen den Brustkrebsrückfall aufgrund der Nebenwirkungen schneller zur Seite legen als den Ärzten dies lieb ist.

Hilfreich seien eine Beratung durch Psychologen oder medizinische Fachkräfte sowie Informationen, welche die Vorteile der Behandlung betonen und deren möglichen Auswirkungen erklären. Außerdem sollten Ärzte den Frauen mit Brustkrebs Bewältigungsstrategien vermitteln, wie sie am besten mit den Nebenwirkungen umgehen.

Antihormontherapie – wirksam, aber viele Nebenwirkungen

Die Antihormontherapie schützt zwar sehr effektiv vor einem Brustkrebsrückfall, den wohl jede Frau am meisten fürchtet. Andererseits hat sie eine Vielzahl unangenehmer Nebenwirkungen. Die Frauen werden durch den Hormonentzug in die Wechseljahre katapultiert. Und das bedeutet Schlafstörungen, Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Knochenschmerzen, depressive Verstimmungen, Austrocknung der Schleimhäute und fehlende Lust auf Sex. Auch das Risikso für Gebärmutterkrebs erhöht sich durch die Einnahme von Tamoxifen.

Krebsärzte empfehlen, die antihormonelle Therapie für fünf Jahre einzunehmen. Neue Studien deuten darauf hin, dass Frauen sie sogar über zehn Jahre anwenden sollten. Viele Frauen brechen die Antihormontherapie allerdings häufig schon frühzeitig ab – aufgrund der unangenehmen Nebenwirkungen und den Einbußen an Lebensqualität. US-Studien zufolge legen rund 25 Prozent aller Brustkrebspatientinnen die Tabletten zu früh zur Seite. Die positiven Gedankenkraft könnte diesen Frauen also vielleicht helfen.

Quelle: Y. Nestoriuc et al. “Is it best to expect the worst? Influence of patients’ side-effect expectations on endocrine treatment outcome in a two-year prospective clinical cohort study”  Annals of Oncology. 22.8.2016 DOI:10.1093/annonc/mdw266

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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