Krebs – Lebensgefahr durch Grippe

Krebstherapien schwächen das Immunsystem. Für Krebspatienten kann ein Grippe lebensgefährlich werden. Sie sollen sich gegen Grippe impfen lassen.

Bei Krebs setzen Ärzte auf wirksame, aber oft heftige Krebstherapien, etwa Chemotherapien, Bestrahlung, Antikörper- und Immuntherapien. Sie halten zwar den Krebs in Schach oder beseitigen ihn, aber auch das Immunsystem der Krebspatienten leidet. Dass der Kampf gegen den Krebs eine oft unterschätzte Gefahr birgt, wiesen jetzt Forscher des Universitätsklinikums Jena nach. Aufgrund der geschwächten Immunabwehr seien Krebspatienten äußerst anfällig für Infektionskrankheiten, beispielsweise eine Grippe (Influenza). Vor allem eine späte Diagnose und zusätzliche Infektionen mit Bakterien und Pilzen führten zu einer höheren Sterblichkeit, ergab eine Auswertung von Patientendaten. Die Studienergebnisse wurden jetzt auf der gemeinsamen Jahrestagung der deutschsprachigen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie in Leipzig vorgestellt.

Krebs und Grippe – rechtzeitige Diagnose wichtig

Die Forscher um Prof. Marie von Lilienfeld-Toal hatten die Auswirkungen der letzten großen Grippewelle 2014/2015 untersucht. Sie wollten herausfinden, welche Patienten ein besonders hohes Risiko für einen lebensgefährlichen Verlauf der Grippe haben. „Bislang gab es nur wenige Untersuchungen zu Virusinfekten bei Krebspatienten – das wollten wir ändern“, erklärt  Lilienfeld-Toal. Die Forscher analysierten die Daten von 203 Tumorpatienten aus den Unikliniken in Berlin, Bonn, Halle (Saale), Jena, Köln, Magdeburg, Mainz und München.

Schwere Lungenentzündungen und Lebensgefahr drohten vor allem dann, wenn Ärzte die Virusinfektion zu spät erkannten und sich die Krebspatienten zusätzlich mit Bakterien und Pilzen infiziert hatten. Superinfektionen nennen Mediziner dies. Die Krebsart hatte dagegen keinen Einfluss darauf, wie gefährlich die Grippe verlief. „Eine frühe Diagnose und die effektive Behandlung von Superinfektionen können lebensrettend für Krebspatienten mit Influenza sein“, betont Lilienfeld-Toal.

„Infektionen sind häufigste Todesursache bei Krebs“

Die Grippesaison 2014/2015 war eine der schlimmsten der vergangenen 20 Jahre: Etwa 21.300 Todesopfer forderte die echte Grippe damals in Deutschland. Besonders für Krebspatienten sind solche schweren Grippewellen eine ernste Gefahr: „Vielen Menschen ist nicht bekannt, dass Infektionen die häufigste Todesursache bei Krebsleiden sind“, sagt Lilienfeld-Toal.

Krebspatienten sollten sich – wenn möglich – gegen Grippe impfen lassen. Denn eine echte Influenza ist für sie besonders gefährlich. Trotzdem gibt es einige Situationen, in denen Krebspatienten die Impfung nicht vertragen. Sie sollten immer ihren behandelnden Arzt fragen, ob die Grippe-Impfung für sie eine Möglichkeit ist. Auch Familienangehörige, Freunde und Betreuer von Krebspatienten sollten sich gegen Grippe impfen lassen.

Krebs – das bringt die Grippe-Impfung

Trotzdem ist es nicht vollkommen ausgeschlossen, dass sich ein gegen Grippe geimpfter Krebspatient mit der Influenza ansteckt. Die Grippe-Impfung bietet nämlich keinen hundertprozentigen Schutz. Ein Grund ist, dass Grippeviren äußerst wandlungsfähig sind und sich permanent verändern. Zudem gibt es eine große Vielfalt an verschiedenen Grippeviren. Auch spricht das Immunsystem von älteren und kranken Menschen manchmal schlechter auf Impfungen an.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung für alle Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranke und Schwangere. Risikogruppen sind Menschen mit chronischen Krankheiten, zum Beispiel Krebs, Diabetes, Asthma oder Herzkrankheiten.

Wann gegen Grippe impfen lassen?

Der beste Zeitraum für die Grippe-Impfung ist in den Monaten Oktober und November.  Die Impfung gegen Grippe lässt ich auch zu einem späteren Zeitpunkt nachholen, auch dann noch, wenn eine Grippewelle schon angefangen hat. Es dauert aber zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Kursieren die Grippeviren schon, besteht das Risiko, sich trotzdem zu infizieren.

Quellen:

  • Robert Koch-Institut, https://influenza.rki.de/Saisonberichte/2014.pdf (Abruf: 26.10.2016)
  • Universitätsklinikum Jena, www.uniklinikum-jena.de (Abruf: 26.10.2016)
  • Forschungscampus Jena, http://www.infectognostics.de

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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