Brustkrebs – Sport gegen Fatigue

Viele Krebspatienten befällt während der Therapien eine bleierne Schwere und Müdigkeit. Doch ein Krafttraining könne gegen die Fatigue helfen, sagen Forscher.

Von der Chemotherapie direkt nach Hause auf die Couch, ein Buch in die Hand, die Decke über den Kopf und bloß nicht mehr bewegen – so geht es vielen Krebspatienten. Allerdings liftet sich der bleierne Schleier oft auch dann nicht, wenn die Patienten sich ausruhen. Die chronische Müdigkeit bleibt, sie lässt sich nicht einfach wegschlafen. Die Fatigue ist eine lähmende Begleiterscheinung bei vielen Krebstherapien. Das chronische Erschöpfungssyndrom, kurz cfs, raubt Menschen mit Krebs sämtliche Kraft, Energie und Antrieb. Viele schaffen nicht einmal den Weg zum nahen Supermarkt geschweige denn einen längeren Spaziergang.

Fatigue bleibt auch nach den Krebsbehandlungen

Manchmal plagt die bleierne Müdigkeit die Patienten auch noch Jahre nach dem Ende der Krebstherapien. „Ich leide immer noch an Fatigue, obwohl meine Bestrahlung schon mehr als acht Jahre zurück liegt“, schreibt eine Frau in einem Brustkrebs-Forum. „Ich fühle mich dauermüde …“ erzählt eine andere. An einen normalen Alltag oder die Rückkehr in den Beruf ist oft nicht zu denken. Ein wirksames Medikament gegen die Fatigue gibt es bislang nicht.

dkfz „Einblick“: Podcast – Sport für Krebspatienten

 

Bei Fatigue: Ab in den Kraftraum, die Damen!

Aber der chronischen Müdigkeit lässt sich vielleicht doch Beine machen, nämlich durch das Gegenteil von Ausruhen und Schonen: Sport! Ein gezieltes Krafttraining steigert die Lebensqualität und mildert die durch Krebs bedingte Erschöpfung. Zu diesem Schluss kamen Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz) und des Universitätsklinikums Heidelberg.

An der Studie nahmen 160 Brustkrebspatientinnen teil, die sich einer Strahlentherapie unterzogen und unter Fatigue litten. Die einen Frauen mit cfs absolvierten über drei Monate ein Krafttraining, die anderen einem Entspannungstraining wie Yoga, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder Autogenes Training. Trainiert wurde jeweils zweimal pro Woche für eine Stunde. Vor dem Start und nach dem Abschluss zwölfwöchigen Trainings beantworteten die Brustkrebspatientinnen verschiedene Fragen, beispielsweise wie gut sie sich körperlich und seelisch fühlten. Außerdem absolvierten sie einen Fitness-Check.

Sport bei Fatigue wirksamer als Entspannung pur

Frauen mit Brustkrebs, die ihre Muskeln trainiert hatten, ging es deutlich besser als jenen, die nur auf Entspannung gesetzt hatten. Die Symptome einer Erschöpfung traten seltener und weniger ausgeprägt auf. Auch die körperliche Leistungsfähigkeit, allgemeine Fitness und die Lebensqualität verbesserten sich. Beim seelischen Befinden und den kognitiven Leistungen (Denken, Merkfähigkeit) schnitten beide Gruppen gleich gut ab. „In der Gesamtauswertung erzielen wir mit dem Sporttraining jedoch viel bessere Ergebnisse“, sagt Prof. Karen  Steindorf. Ihr Fazit: Krafttraining könne der Fatigue vorbeugen oder sie lindern.

Fatigue – Vielzahl von Ursachen

Mediziner vermuten, dass die akute oder chronische Erschöpfung nicht „die eine“ Ursache hat, sondern dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Die Krebserkrankung selbst kann ermüden, genau wie die Therapien dagegen. Dazu zählen beispielsweise Chemotherapie, Bestrahlung, Immuntherapien und wiederum deren Nebenwirkungen. Aber auch psychische Faktoren zählen: Eine Krebserkrankung bedeutet jede Mengen seelischen Stress und Ängste – dass die Partnerschaft in die Brüche geht, man den Job verliert oder den Krebs nicht überlebt.

Steindorfs Empfehlung lautet jedenfalls: das Krafttraining schon jetzt als Therapiebegleitung aufzunehmen. Außerdem vermittelt Sport schon allein durch das Gruppenerlebnis ein positives Gefühl. Das ist allemal besser als allein auf der Couch zu liegen.

Quellen:
•    Deutsches Krebsinformationszentrum (dkfz), www.krebsinformationsdienst.de, 3.10.2014;
•    Deutsche Krebshilfe – Die blauen Ratgeber:„Fatigue. Chronische Müdigkeit bei Krebs“, http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/051_fatigue.pdf
•    Steindorf, K. et al.: „Randomized Controlled Trial of Resistance Training in Breast Cancer Patients Receiving Adjuvant Radiotherapy: Results on Cancer-related Fatigue and Quality of Life“, Annals of Oncology 2014, DOI: 10.1093/annonc/mdu374

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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