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Krebs: Stressmanagement für die Seele per Internet

Krebs: Online-Programm hilft bei der Stressbewältigung
Krebs: Online-Programm hilft bei der Stressbewältigung und verbessert die Lebensqualität (c) rawpixel/Pixabay.com

Eine Krebsdiagnose versetzt auch die Psyche in einen Ausnahmezustand. Doch Psychoonkologen sind rar. Ein Online-Stressmanagement-Programm soll Krebspatienten in dieser kritischen Phase helfen. Dass es gut funktioniert, zeigt eine aktuelle Studie.

Krebs setzt nicht nur dem Körper zu, sondern lässt auch die Psyche massiv leiden. Es gibt unzählige Fragen, die sich nach einer Krebsdiagnose stellen: Wie verkrafte ich die Krebstherapien? Welche Nebenwirkungen kommen auf mich zu? Was ist mit meinem Job? Wie komme ich finanziell über die Runden? Was bedeutet der Krebs für die Partnerschaft oder die Kinder? Wie fit bin ich später? Habe ich überhaupt noch eine Zukunft trotz Krebs? Diese und andere ungelösten Fragen erzeugen Stress, der wiederum die Lebensqualität sinken lässt. Manchmal beeinträchtigt er sogar die Krebsbehandlungen und den Krankheitsverlauf negativ. Schweizer Forscher entwickelten deshalb ein webbasierte Programm zur Stressbewältigung. Es verbesserte die Lebensqualität der Krebspatienten deutlich, ergab ihre Studie, die im Fachmagazin Journal of Clinical Oncology veröffentlicht wurde.

STREAM bei Krebs – Online-Hilfe für die Psyche

Seelische Hilfe für Krebspatienten bieten normalerweise Psychoonkologen an. Sie sind auf Krebspatienten spezialisiert und kennen sich gut mit ihren Sorgen und Nöten aus. Doch die Experten sind rar. Längst nicht jeder Krebspatient hat Zugang zu einem Psychotherapeuten und bekommt psychologische Unterstützung. Besonders wichtig wäre die Hilfe aber in der kritischen Zeit kurz nach der Krebsdiagnose. Das wollten Forscher der Universität und des Universitätsspitals Basel ändern und entwickelten das Online-Programm „STREAM“ zur Stressbewältigung. Die Abkürzung steht für „STREss Aktiv Mindern“. Das achtwöchige Online-Programm zielt darauf ab, möglichst viele Menschen mit Krebs in dieser schwierigen Situation zu erreichen und ihnen eine niederschwellige Möglichkeit zum Umgang mit der Belastung anzubieten.

An der Untersuchung nahmen 129 Krebspatienten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich teil. 92 davon litten unter Brustkrebs. Die Forscher teilten die Probanden innerhalb von drei Monaten nach dem Beginn ihrer Krebsbehandlung nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein: Die erste Gruppe wurde von einem Therapeuten begleitet (Interventionsgruppe), die zweite auf eine Warteliste gesetzt (Kontrollgruppe). Gruppe Nummer zwei bekam erst nach einer Wartefrist von acht Wochen Zugang zum Online-Programm. So ließen sich beide Gruppe miteinander vergleichen.

Video Psychoonkologie – Hilfe bei Krebs (nano/3sat)

Nach Krebsdiagnose: Informieren, entspannen, Stress im Griff

STREAM basiert auf bewährten Programmen fürs Stressmanagement. Es besteht aus acht Modulen, die jeweils Informationen zu Krebs sowie Entspannungsmethoden, Atemtechniken und Achtsamkeitsübungen vermittelten, auch zum Herunterladen. Zudem zeigten ihnen die Psychologen Strategien, wie sie besser mit ihrer Krebserkrankung umgehen und sie bewältigen.

Dazu loggten sich die Patienten auf der Plattform über einen persönlichen, anonymen Zugang ein. Einmal pro Woche fand zudem ein Austausch per E-Mail mit einer Psychologin statt. Nach der Teilnahme am Online-Programm sollten die Probanden auf einem Fragebogen angeben, wie gut sie ihre Lebensqualität einschätzten. Außerdem sollten sie das Ausmaß ihres Stresses auf einer Skala von 0 bis 10 einschätzen sowie Angabe zu Ängsten und Depressionen machen.

Online-Programm steigert die Lebensqualität und mindert Stress

Wer das Anti-Stress-Programm absolviert hatte, schätzte seine Lebensqualität deutlich besser ein als die Kontrollgruppe. Unter anderem litten sie weniger unter der chronischen Erschöpfung, der Fatigue, die sehr viele Krebspatienten betrifft. Auch der negative Stress nahm in der Gruppe mit psychologischer Unterstützung per Internet signifikant stärker ab als in der Kontrollgruppe. Keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen fanden die Forscher dagegen bei den Ängsten oder Depressionen. „Eine webbasierte Selbsthilfe mit regelmäßigem E-Mail-Kontakt zum Psychologen kann neu diagnostizierte Krebspatienten effektiv unterstützen und somit ihre Behandlung entscheidend zu verbessern“, erklärt Viviane Hess, Professorin für Medizinische Onkologie und Leitende Ärztin für Onkologie in Basel.

Das Online-Programm sei eine neue Möglichkeit für Krebspatienten, die sich mit den bisherigen Angeboten nicht erreichen ließen. „Die Digital Natives nähern sich dem Alter, in dem das Risiko für altersbedingte Krankheiten wie Krebs steigt“, sagt Hess. Schon deshalb würden Ansätze, die das Internet in die Patientenversorgung integrieren, immer wichtiger.

Weitere Informationen für Krebspatienten

Quelle:

  • Urech C et al.: „Web-based stress management for newly diagnosed cancer patients (STREAM): A randomized, wait-list controlled intervention study“, Journal of Clinical Oncology (2018), doi: 10.1200/JCO.2017.74.8491

Ingrid Müller

Ingrid Müller ist freie Medizinjournalistin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, Springer und Funke. Sie ist Buchautorin, arbeitet an digitalen Gesundheitsprojekten sowie der Gründung der Prostata Hilfe Deutschland e.V. für Männer mit Prostatakrebs mit.

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