Brustkrebs bei Männern ist anders

Brustkrebs bei Männern ist geradezu exotisch. Obwohl der Brustkrebs ähnlich behandelt wird wie bei Frauen stehen ihre Überlebenschancen deutlich schlechter. Warum ist das so?

Brustkrebs bei Männern hat echten Seltenheitswert. Ein Mann beim Frauenarzt, im Mammografiezentrum oder auf der gynäkologischen Station einer Klinik – überall auf der Welt ist das ein Exot. Rund 610 Männer mit Brustkrebs fanden sich im Jahr 2010 in Deutschland aber genau dort wieder. Männliche Exoten mit einer typischen Frauenkrankheit: Brustkrebs. Ein bösartiger Knoten in der Brust ist bei Frauen die häufigste Krebsart, rund 74.000 Frauen erkranken jährlich allein in Deutschland neu.

Männer mit Brustkrebs sind dagegen rare Exemplare, die sich auf einige Kuriositäten einrichten müssen. Das reicht von Aussagen wie „Sie wollen ja wohl kaum einen Termin bei uns haben“ bis zu „Sie haben sich bestimmt verlaufen, hier ist nur für Frauen“. Eine neue Studie, präsentiert auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium 2014, ergab jetzt, dass sich die Überlebenschancen von Männern mit Brustkrebs zwar deutlich verbessert haben, aber nicht in dem Ausmaß wie bei den Frauen.

Brustkrebs bei Männern – beste Behandlung ist unklar

Wie und warum Brustkrebs bei Männern entsteht, verstehen selbst Forscher noch nicht genau. Wie auch, die Studienlage zu Männern mit der Frauenkrankheit „Mammakarzinom“ ist dünn. Meist dürfen Männer mit Brustkrebs nicht an diesen teilnehmen. So ist es auch noch unklar, was eigentlich die beste Therapie für sie ist. Derzeit setzen Onkologen auf Behandlungen wie Operation (meist Brustamputation = Mastektomie), Chemotherapie und Bestrahlungen an, die auch bei Frauen erfolgreich sind. Nicht wissend, ob sie es auch bei Männern sind.

Die Studie schloss 1822 Männer aus Europa und den Vereinigten Staaten ein, die zwischen 1990 und 2010 wegen Brustkrebs behandelt worden waren. „Die Untersuchung zielte darauf ab, die Biologie dieser seltenen Erkrankung zu charakterisieren. Nur mit diesem Basiswissen werden Männer in Zukunft adäquat therapiert werden. Und das wird wiederum die Überlebensrate und die Lebensqualität verbessern“, sagt die Studienorganisatorin Fatima Cardoso vom Champalimaud Clinical Center in Lissabon.

Nicht identisch: Brustkrebs bei Männern und Frauen

Die Studie ergab, dass männlicher Brustkrebs ganz anders ist als der von Frauen. Und dass Männer weniger gut behandelt werden als die weiblichen Brustkrebspatienten. Ein Beispiel: Obwohl die Mehrheit der männlichen Brustkrebse unter Hormoneinfluss wächst, also Östrogenrezeptor-positiv sind, werden nur 77 Prozent der Männer mit einer Antihormontherapie behandelt, etwa Tamoxifen. Und obwohl gut die Hälfte der männlichen Brusttumoren entdeckt werden, wenn sie noch relativ klein sind, erhalten nur vier Prozent eine brusterhaltende Therapie. Der Standard ist bis heute die Brustamputation, welche extrem das Selbstwertgefühl, die Sexualität und die Lebensqualität beeinträchtigen kann.

Eine Analyse des Tumorgewebes ergab, dass die Tumorzellen bei 99 Prozent der Männer mit Brustkrebs einen Östrogenrezeptor besaßen (ER-positiv), bei sieben Prozent ließ sich der HER2 (epidemal growth factor receptor 2) nachweisen. Ein Prozent hatte einen triple-negativen Brustkrebs – hatte also keinerlei Rezeptoren für Östrogen, Progesteron oder HER2 an den Krebszellen. Für sie wäre eine Antihormontherapie oder eine Antikörpertherapie mit Herceptin wirkungslos. Zum Vergleich: Bei rund 70 Prozent der Frauen wächst der Tumor unter Hormoneinfluss, 20 Prozent sind HER2-positiv und 10 bis 15 Prozent sind triple-negativ.

Außerdem entdeckten die Forscher, dass Männer am häufigsten ein invasives duktales Karzinom (Krebs geht von den Milchgängen aus) vom Grad 2 hatten. Die Männer erhielten nach der Operation eine Strahlentherapie, die wirksam schien. Anthracycline waren das Mittel der Wahl bei der Chemotherapie, das Medikament Tamoxifen bei der antihormonellen Therapie.

Männer mit Brustkrebs sind rare Exemplare

Jetzt wird Teil zwei der Brustkrebsprogramms für Männer gestartet: International solle alle männlichen Brustkrebspatienten registriert werden, die an verschiedenen Zentren für mindestens 30 Monate behandelt wurden. Es geht darum, die bestmögliche Therapie für die Männer herauszufinden.

Brustkrebs macht bei Männern weniger als ein Prozent aller diagnostizierten Krebserkrankungen aus. Und männlicher Brustkrebs schlägt wiederum mit weniger als einem Prozent aller Brustkrebsdiagnosen zu Buche. Afrikanische Länder berichten von höheren Brustkrebsraten bei Männern. Ugangda zählt zum Beispiel 5 Prozent, Zambia 15 Prozent. Trotzdem bleibt es insgesamt eine seltene Erkrankung bei Männern, die aber häufig nicht gut endet. In den Vereinigten Staaten gab es im Jahr 2013 rund 2,240 neue Fälle von Brustkrebs bei Männern – alarmierende 410 endeten tödlich.

Weitere Infos für Männer:

Das Netzwerk „Männer mit Brustkrebs e.V“ bietet Informationen, Hilfe und Kontakt zu anderen Betroffenen.

Quellen:

  • European Organisation for Research and Treatment of Cancer: „Male and female breast cancers are not identical“, EORTC10085/TBCRC/BIG/NABCG International Male Breast Cancer Program, 12. Dezember 2014
  • Brustkrebs bei Männern e.V., www.brustkrebs-beim-mann.de
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (dkfz), www.krebsinformationsdienst.de

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit und das Brustkrebs-Magazin MammaMia!. Sie ist Chefredakteurin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland, die sich an Männer mit Prostatakrebs richtet. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekte mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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