Tauben erkennen Brustkrebs

Tauben können Brustkrebs mit ziemlicher Sicherheit erkennen. Sie sind fast genauso gute Spürhunde wie der Mensch. Doch wie machen die Vögel das überhaupt?

Blinde können Brustkrebs ertasten, Hund Krebs erschnüffeln. Tauben, denen die meisten wenig zutrauen und die als „Ratten der Lüfte“ gelten, sollen ebenfalls einiges auf dem Kasten haben. Wenn man sie vor Bilder mit Brustkrebsgewebe setzt, erkennen sie die bösartigen Tumoren mit großer Sicherheit. Noch besser ist es, wenn man die Schwarmintelligenz der Tauben nutzt – dann liegt die Genauigkeit bei der Brustkrebsdiagnose bei sagenhaften 99 Prozent. Von diesen erstaunlichen Fähigkeiten der Tauben berichteten jetzt Forscher des University of California Davis Medical Center.

Brustkrebs oder nicht? Tauben liefern Antworten

Der Pathologe Richard Levenson und Team führten mit den Tauben verschiedenste Experimente durch. In einem Versuch setzten sie die acht Tauben vor 144 Bilder von Brustgeweben – gesund und vom Brustkrebs befallen. Die Bilder waren farbig oder schwarz weiß und zeigten das Gewebe in verschiedenen Vergrößerungsstufen. Betätigten die Tauben einen gelben Knopf neben dem Bild, hielten sie das Gewebe für gesund. Beim Drücken auf einen blauen Knopf erschien ihnen das Gewebe krebsverdächtig. Bei einer richtigen Entscheidung erhielten sie Futter als Belohnung. Lagen die Vögel falsch, zeigten ihnen die Wissenschaftler das Bild so lange, bis richtig entschieden.

Tauben erkennen Brustkrebs zielsicher

Nach einem Training von 15 Tagen erzielten die Tauben eine Genauigkeit von 50 bis 85 Prozent. Die Forscher wollten verhindern, dass sich die Tauben die Bilder merkten und tauschten sie aus. Die Werte blieben auch nach dem Bildertausch in etwa gleich hoch. „Die Tauben sind in der Lage, das Gelernte zu generalisieren“, sagt Levenson. „Wenn wir ihnen ein komplett neues Set von Aufnahmen mit normalem und krebskrankem Brustgewebe zeigten, konnten Sie diese korrekt identifizieren“, so der Pathologe weiter.

Noch besser schnitten die Tauben ab, wenn sich die Forscher die „Schwarmintelligenz“ der Vögel zu Nutze machten. Kombinierten sie die Entscheidungen mehrerer Vögel, kamen sie sogar auf Werte von 99 Prozent. „Mit einigem Training und Belohnung durch Futter können Tauben Bilder von gutartigem und bösartigem menschlichen Brustgewebe genauso gut unterscheiden wie Menschen“, sagte Levenson der International Business Times.

Brustkrebs – Tauben erkennen Mikrokalk

Ähnlich erfolgreich waren die Tauben in einem zweiten Experiment. Vier andere Vögel sollten Mikrokalk auf Mammografie-Bildern identifizieren. Diese Kalkablagerungen werden mit Umbauprozessen in der Brust und mit Brustkrebs in Verbindung gebracht. Nach einem 14-tägigen Training lag die Genauigkeit der Brustkrebserkennung bei 50 bis über 85 Prozent.

Im dritten Experiment sollten die Tiere die Dichte von Brustgewebe in der Mammografie identifizieren. Dies gelang ihnen bei Bildern, die sie schon zuvor einmal gesehen hatten und bei denen sie richtig gelegen hatten. Zwei Tiere erreichten eine Trefferquote von 80 Prozent, zwei weitere von 60 Prozent. Allerdings konnten sie die Dichte des Brustgewebes nicht als gut- oder bösartig einstufen, wenn es sich um neue, noch nie gesehene Aufnahmen handelte.

Allerdings ist das selbst für Radiologen schwierig – in einem Experiment lagen sie ebenfalls „nur“ zu 80 Prozent richtig. „Dies ist auch der Grund, warum Radiologen Jahre brauchen, um ihre Fähigkeiten zu perfektionieren“, sagte Prof. Edward Wasserman, der Co-Autor der Studie.

Brustkrebsdiagnostik – Tauben sind kein Ersatz für Radiologen

Dass die Tauben in Zukunft die geübten Augen von Radiologen und bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Mammografie oder die Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) überflüssig machen, ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Denn welche Frau würde die Brustkrebsdiagnostik allein Tieren überlassen? Unklar ist den Forschern außerdem, wie die Tauben überhaupt zwischen gesundem und krankem Brustkrebsgewebe unterscheiden – dies wollen die US-Forscher als nächstes herausfinden.

Quelle: Richard M. Levenson, Elizabeth A. Krupinski, Victor M. Navarro, Edward, A. Wasserman Pigeons (Columba livia) as Trainable Observers of Pathology and Radiology Breast Cancer Images. PLOSone, 10(11): e0141357. 18. November 2015, doi:10.1371/journal.pone.0141357

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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