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Krebsvorsorge: Wer beim Googeln Angst hat, geht eher hin

Internetrecherche zur Krebsvorsorge: Wer Angst hat, geht eher hin (c) Lukas Bieri/Pixabay.com

Krebsarten wie Darm- oder Brustkrebs lassen sich frühzeitig entdecken, doch viele gehen nicht hin. Die Angst vor Krebs spielt mit, ob ein Mensch nach einer Internetrecherche zur Krebsvorsorge bereit ist – oder nicht.

Kaum etwas fürchten die Deutschen so sehr wie eine Krebserkrankung. In einer aktuellen Forsa-Umfrage gaben 65 Prozent der Bundesbürgen an, sich vor einem bösartigen Tumor zu fürchten. Doch wie wirkt sich die Angst vor dem Krebs auf den Gang zur Krebsvorsorge aus? Ist die Furcht vor Krebs eher ein Hemmschuh oder fördert sie die Motivation zur Früherkennung? Das wollten Forscher des Leibniz-Instituts für Wissensmedien in Tübingen in einem Experiment herausfinden. Denn Tatsache ist, dass viele Menschen die Angebote zur Darmkrebs- oder Brustkrebsfrüherkennung nicht wahrnehmen, etwa die Darmspiegelung oder das Mammografie-Screening. Die Teilnahmequoten an solchen Präventionsprogrammen sind in Deutschland seit Jahren bescheiden und liegen auf konstant niedrigem Niveau. So hat sich zum Beispiel nur etwa jeder Fünfte über 55 Jahren einer Darmspiegelung unterzogen, obwohl Ärzte die Untersuchung für diese Altersgruppe zur Krebsvorsorge empfehlen.

Krebsfrüherkennung: Große „Angsthasen“ gehen eher hin

Die Forscher um den Psychologen Prof. Kai Sassenberg befragten 150 gesunde Probanden zweimal im Abstand von sechs Monaten. Die Studienteilnehmer waren zwischen 45 und 55 Jahre alt. Damit fielen sie in jene Altersgruppe, für die die Krebsvorsorge kein Fremdwort sein sollte. Im Internet sollten sie medizinische Informationen zu Darmkrebs und Darmspiegelung recherchieren.

Die Angst vor Krebs entscheidet tatsächlich darüber mit, ob sich ein Mensch zur Krebsfrüherkennung aufmacht oder nicht. Besonders überraschend war: Bei Personen, die viel Angst vor Krebs hatten und das Internet stark nutzten, war die Absicht zur Krebsvorsorge sechs Monate später am stärksten ausgeprägt. Wer sich dagegen weniger vor Krebs fürchtete und dennoch viel im Internet unterwegs war, hatte eine besonders niedrige Motivation, zur Krebsfrüherkennung zu gehen.

Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs – so läuft sie ab

 

Krebsangst besiegen durch Klicks auf positive Informationen

Interessant war, dass ängstliche Patienten bei ihren Internetrecherchen mehr Links auf Webseiten auswählten, die positiv über die Krebsvorsorge berichteten. Und an diese positiven Informationen aus den gelesenen Texten erinnerten sie sich besser. „Menschen reduzieren so Gefühle wie Angst oder Bedrohung“, vermutet Sassenberg.

Die Angst führt offenbar dazu, dass sie Informationen einseitig auswählen und verarbeiten. Viele Menschen konzentrierten sich bei einem angstbesetzen Thema also unbewusst auf die positiven Informationen (die Chancen) und blenden die negativen Informationen (die Risiken) aus. So formen sie sich einen besseren Eindruck von Krebsvorsorgemaßnahmen. Entsprechend sind sie motivierter, zur Krebsfrüherkennung zu gehen.

Anders ist es bei Personen, die weniger Angst vor Krebs haben. Sie gewichten vermutlich die unangenehmen Aspekte der Darmspiegelung, etwa die Risiken, stärker. Nach intensiver Internetrecherche entscheiden sie sich dann eher gegen eine Darmspiegelung.

Internet als Motivationskick zur Krebsfrüherkennung

Die Internetnutzung könne helfen, Menschen zur Vorsorge zu motivieren und auch in anderen Fällen einen Arzt aufzusuchen, glauben die Forscher. Dies gelte vor allem für Personen, die große Angst vor Krebs oder einer anderen Krankheit haben. Für weniger große „Angsthasen“ ist die Internetrecherche bei Google und Co eher kontraproduktiv – sie bleiben nämlich den Arztpraxen eher fern.

Quellen:

  • Becker D. et al. Perceived Threat and Internet Use Predict Intentions to Get Bowel Cancer Screening (Colonoscopy): Longitudinal Questionnaire Study, JMIR Journal of Medical Internet Research, Vol 20, No 2 (2018): February, http://dx.doi.org/10.2196/jmir.9144
  • Studie der DAK (2017)

Mehr Informationen im Internet zur Krebsfrüherkennung

Ingrid Müller

Ingrid Müller ist freie Medizinjournalistin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, Springer und Funke. Sie ist Buchautorin, arbeitet an digitalen Gesundheitsprojekten sowie der Gründung der Prostata Hilfe Deutschland e.V. für Männer mit Prostatakrebs mit.

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