WHO – Wurst als krebserregend eingestuft

Der Konsum von Wurst  kann Krebs auslösen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte verarbeitete Fleischprodukte jetzt als krebserregend ein. Auch aus rotem Fleisch droht  Krebsgefahr.

Der Konsum von Wurst kann krebserregend sein. Die International Agency for Research on Cancer (IARC), die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehört, stufte jetzt verarbeitete Fleischwaren wie geräucherten Schinken, Wurst oder Corned Beef als krebserregend ein. Der häufige Verzehr von Wurst erhöhte vor allem das Darmkrebsrisiko. Damit landete die Wurst in der gleichen Kategorie der Krebsauslöser wie Tabak, Asbest oder Röntgenstrahlung. Als wahrscheinlich krebserregend gilt rotes Fleisch wie Schwein, Rind oder Lamm.  Beim roten Fleisch war der krebserregende Effekt zwar weniger ausgeprägt, aber zusätzlich stieg die Gefahr für Bauchspeicheldrüsenkrebs und Prostatakrebs.

Darmkrebs – Wurst lässt Risiko um 18 Prozent klettern

Die IARC hatte mit 22 Experten aus zehn Ländern mehr als 800 Studien analysiert. Im Blickpunkt hatten die Forscher den Zusammenhang von mehr als einem Dutzend Krebsarten und dem Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch in verschiedensten Ländern mit unterschiedlichen Ernährungsweisen. Der Fleischverzehr ist von Land zu Land unterschiedlich. In einigen Ländern wird wenig rotes Fleisch gegessen, während es in anderen Ländern fast jeder auf dem Teller hat.

In Amerika und Deutschland wird immer noch viel Fleisch konsumiert – ganz 1094 Tiere verputzt ein Bundesbürger im Lauf seines Lebens. Männer essen deutlich mehr Fleisch als Frauen. Für sie gehört ein Steak oder Schnitzel unbedingt zu einem Restaurantbesuch. Aber die Zahl der Fleischesser sinkt seit einigen Jahren. In Deutschland gibt es rund 7,8 Millionen Vegetarier und etwa 900.000 Veganer, die ohne jegliches Tierprodukt auskommen. Die Gründe sind unter anderem die bröckelnde Akzeptanz der Massentierhaltung und die unzähligen Fleischskandale – Antibiotika im Huhn, Dioxin in Eiern, Gammelfleisch oder Pferdefleisch, das als Rindfleisch deklariert wurde.

Die größten Effekte zwischen Fleisch- und Wurstkonsum und der Krebsentstehung sahen die Forscher in fünf Studien, in denen die Probanden über 20 Jahre beobachtet worden waren. Der tägliche Verzehr von 50 Gramm verarbeitetem Fleisch erhöhe das Risiko für Darmkrebs um 18 Prozent, rechneten die Forscher aus.

Doch wie kann durch das Essen von Wurst überhaupt Krebs entstehen? Bei der Verarbeitung von Fleisch sowie beim Kochen und Braten bilden sich verschiedene chemische Substanzen, die Krebs auslösen können oder bei denen der Verdacht auf eine krebserregende Wirkung besteht. Dazu zählen zum Beispiel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder heterozyklische aromatische Amine (HAA). Die Wurst steht jetzt also in der gleichen Kategorie krebserregender Stoffe, in der sich beispielsweise auch schon Tabakrauch und Asbest befinden.

Krebs – Risiko steigt mit der konsumierten Fleischmenge

“Für den Einzelnen ist das Risiko, Darmkrebs aufgrund des Konsums von verarbeitetem Fleisch zu entwickeln, gering“, sagt Dr. Kurt Straif vom IARC. „Aber das Risiko steigt mit der Menge des Fleischkonsums.“ Und angesichts der Tatsache, dass eine große Anzahl von Menschen verarbeitetes Fleisch isst, könnte der Einfluss auf die Zahl der Krebserkrankungen von entscheidender Bedeutung für die Volksgesundheit sein, so Straif. Und Dr. Christopher Wild, Direktor des IARC, warnt: „Die Ergebnisse untermauern, dass Menschen ihren Fleischkonsum einschränken sollten.“

Andererseits beinhalte rotes Fleisch auch viele wichtige Nährstoffe, so die Forscher. Fleisch ist zum Beispiel ein guter Lieferant von Eiweißen, B-Vitaminen und den Mineralstoffen Eisen und Zink. Die Regierungen und Ernährungsexperten müssten die Vor- und Nachteil des Fleisch- und Wurstkonsums genau gegeneinander abwägen – nur dann könnten sie die bestmöglichen Ernährungsempfehlungen geben.

Was sind rotes und verarbeitetes Fleisch?

Als rotes Fleisch wird Muskelfleisch von Rind, Kalb, Schwein, Lamm, Schaf, Ziege oder  Pferd bezeichnet. In die Kategorie „verarbeitetes Fleisch“ fallen Fleischprodukte, die zum Beispiel durch Salzen, Pökeln, Fermentation oder Räuchern bearbeitet werden. Die Prozesse dienen dem Geschmack oder der Konservierung. Die meisten verarbeiteten Fleischwaren enthalten Schwein und Rind, aber auch andere rote Fleischsorten, Geflügel, Fleischabfälle oder Beiprodukte wie Blut.

Beispiele für verarbeitete Fleischwaren sind Hotdogs, Schinken, Wurstwaren, Corned Beef, Pökelfleisch, Dörrfleisch, Wurst und Fleisch in Dosen sowie Zubereitungen und Saucen auf Fleischbasis.

Angesichts der WHO-Warnung gilt: Öfters mal das Fleisch und die Wurst beiseite lassen!

Quellen:

  • Véronique Bouvard, Dana Loomis, Kathryn Z Guyton, Yann Grosse, Fatiha El Ghissassi, Lamia Benbrahim-Tallaa, Neela Guha, Heidi Mattock, Kurt Straif: „Carcinogenicity of consumption of red and processed meat“, The Lancet Oncology, 26.Oktober 2015, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(15)00444-1
  • Weltgesundheitsorganisation WHO, www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2015/pdfs/pr240_E.pdf (Englisch)
  • BUND, Fleischatlas 2013 und 2014, https://www.bund.net

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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