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Scharfmacher aus Peperoni gegen Brustkrebs

Perperoni: Scharfmacher Capsaicin gegen Brustkrebs
Perperoni: Scharfmacher Capsaicin gegen Brustkrebs (c) AlamaCreative/Pixabay.de

Der Wirkstoff Capsaicin macht Peperoni scharf und entfacht Feuer im Mund. Der Scharfmacher bremst aber auch das Wachstum von Brustkrebszellen – bislang nur im Labor.

Capsaicin verleiht Peperoni und Pfeffer die Schärfe, treibt Menschen die Tränen in die Augen, den Schweiß auf die Stirn und sorgt für Hustenanfälle, wenn man zu viel davon genießt. Capsaicin – ein Alkoloid – gilt als äußerst gesund. Er kurbelt den Stoffwechsel an und viele schwören auf ihn als Schlankmacher. Außerdem wärmt Capsaicin, steigert die Durchblutung und lindert Schmerzen. Deshalb steckt der Stoff unter anderem in Wärmepflastern gegen verspannte Muskeln und Rückenschmerzen. Aber der pflanzliche Scharfmacher kann vielleicht noch viel mehr: In Laborversuchen hemmte Capsaicin das Wachstum von Brustkrebszellen. Dies berichtet das Team um den Duftforscher Prof. Hanns Hatt und Dr. Lea Weber von der Ruhr Universität Bochum (RUB).

Triple-negativer Brustkrebs ist äußerst gefährlich!

Ihre Versuche führten die Wissenschaftler mit der Zelllinie SUM149PT durch. Sie dient als Modellsystem für eine besonders aggressive Brustkrebsform, den sogenannten dreifach-negativen Brustkrebs oder triple-negativen Brustkrebs. Dieser betrifft rund 15 Prozent der Frauen mit einem Mammakarzinom. Besonders gefährlich ist diese Brustkrebsart, weil die Krebszellen keine Andockstellen (Rezeptoren) für die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron sowie für den humanen epidermalen Wachstumsfaktor HER2 besitzen. Eine Antihormontherapie oder die Behandlung mit dem Antikörper Trastuzumab (Herceptin) entfallen. So ist diese Brustkrebsart sehr schwer therapierbar. Derzeit lässt sich der triple-negative Brustkrebs nur mittels einer Chemotherapie behandeln.

Aktivierte Andockstelle, gehemmtes Krebswachstum

In den kultivierten Zellen fand das Team eine Reihe klassischer Riechrezeptoren. Besonders häufig vertreten war aber  ein Rezeptor, der sonst im fünften Hirnnerv, dem Nervus trigeminus, vorkommt. Er gehört zu den sogenannten Transient-Receptor-Potential-Kanälen und trägt das Kürzel TRPV1. Die Forscher aktivierten den TRPV1-Rezeptor in der Zellkultur mit dem Schärfemolekül Capsaicin oder Helional, einem Duft nach frischer Meeresbrise, indem sie die Stoffe mehrere Stunden oder Tage lang auf die Zellen einwirken ließen. Die Krebszellen vermehrten sich durch die Behandlung langsamer und starben verstärkt ab. Die überlebenden Krebzellen konnten sich nicht mehr so schnell bewegen wie zuvor. Diese Tatsache lasse darauf schließen, dass sie im Körper schlechter Metastasen bilden, vermuten die Forscher.

„Wenn wir den TRPV1-Rezeptor gezielt durch Medikamente anschalten könnten, könnte sich ein neuer Ansatz für die Behandlung dieser Krebsform ergeben“, sagt Hanns Hatt. Eine Aufnahme über die Nahrung oder durch Einatmen reiche dazu aber nicht aus. Denn es müssen größere Mengen der Substanzen an den Krebszellen ankommen und auf diese einwirken.

Capsaicin gegen mehrere Krebsarten

In früheren Studien hatte sich der Wirkstoff Arvanil – er ist chemisch ähnlich gebaut wie das Schärfemolekül Capsaicin – schon als wirksam gegen Hirntumoren bei Mäusen erwiesen. Arvanil reduzierte das Tumorwachstum in den Tieren. Aufgrund zu starker Nebenwirkungen ist diese Substanz aber nicht für Menschen zugelassen. Neben Capsaicin und Helional aktivieren auch die körpereigenen Endovanilloide den TRPV1-Rezeptor.

TRP-Kanäle spielen eine wichtige Rolle für das Wachstum von Krebszellen. Am besten untersucht ist der Kanal TRPV1. Verschiedenste Faktoren können diesen anschalten, unter anderem die Änderung der Temperatur oder des pH-Wertes. Capsaicin als Aktivator des TRPV1 hemmt das Krebswachstum und fördert die Selbstzerstörung von Tumorzellen, die sogenannte Apoptose, indem es in den Zellzyklus eingreift. Die Wirkung wurde bei verschiedenen Krebsarten nachgewiesen, zum Beispiel Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Knochenkrebs. Gesunde Zellen blieben dabei verschont.

Quelle:

Lea V. Weber, Klaudia Al-Refae, Gerhard Wölk, Gabriele Bonatz, Janine Altmüller, Christian Becker, Günter Gisselmann, Hanns Hatt: Expression and functionality of TRPV1 in breast cancer cells, in: Breast Cancer – Targets and Therapy, 2016, DOI: 10.2147/BCTT.S121610

Ingrid Müller

Ingrid Müller ist freie Medizinjournalistin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, Springer und Funke. Sie ist Buchautorin, arbeitet an digitalen Gesundheitsprojekten sowie der Gründung der Prostata Hilfe Deutschland e.V. für Männer mit Prostatakrebs mit.

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