Nach Krebs: Viele ernähren sich schlecht

Mit der gesunden Ernährung ist es bei Menschen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, nicht zum Besten bestellt. Aber warum? Es fehlen die richtigen Informationen.

Obst, Gemüse, Vollkorn, Fisch und pflanzliche Fette – eine gesunde Ernährung ist für jeden Menschen gut, vor allem aber für Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben. Doch viele Krebspatienten tun sich schwer mit dem gesunden Essen – sie ernähren sich schlecht. Zu diesem Schluss kamen Forscher der Friedman School of Nutrition Science and Policy der Tufts University. Dabei seien viele Überlebende des Krebses höchst motiviert, Informationen über eine gesunde Ernährung und eine Veränderung ihrer Ernährungsweise zu finden, um ihre Gesundheit zu verbessern. Besonders erfolgreich seien sie damit aber nicht, so die US-Forscher. Es seien Ernährungsempfehlungen und – strategien nötig, vor allem für diese verletzliche und „angeschlagene“ Bevölkerungsgruppe der (früheren) Krebspatienten.

Krebs – viele ernähren sich ungesund

Nach einer Krebserkrankung und vielen Krebstherapien haben die Betroffenen ein erhöhtes Risiko für verschiedenste Gesundheitsprobleme. Beispiele sind chronische Müdigkeit (Fatigue) oder ein Gewichtsverlust. Die Ernährung ist einer der wenigen Faktoren, die ein Patient selbst beeinflussen kann und mit der sich die Beschwerden verzögern oder in den Griff kriegen lassen.

Die Forscher um Fang Fang Zhang untersuchten die Ernährungsweise von 1533 Erwachsenen, die eine Krebserkrankung überstanden hatten und am National Health and Nutrition Examination Survey (1999 to 2010) teilgenommen hatten. Sie analysierten, wie gut sie gängige Ernährungsempfehlungen einhielten und umsetzten.

Krebs und Ernährung – zu viel Fett und Salz

Die Forscher machten einige Trends und Unterschiede in der Ernährungsweise von früheren Krebspatienten und Personen ohne Krebs aus. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  • Ehemalige Krebspatienten ernährten sich weniger gesund als Erwachsenen ohne Krebs. Das betraf vor allem den Konsum von grünem Gemüse sowie Vollkorn und Vollkornprodukte. Hier lagen sie deutlich unter den empfohlenen Mengen.
  • Im Vergleich zu Personen, die nicht an Krebs erkrankt waren, nahmen ehemalige Tumorpatienten auch weniger Ballaststoffe sowie mehr „leere“ Kalorien aus festen Fetten und zugesetzten Zuckern auf.
  • Ehemalige Krebspatienten konsumierten viel zu wenig Vitamin D – nämlich nur 31 Prozent der empfohlenen Menge. Nicht besser sah es bei Vitamin E (47 Prozent), Kalium (55 Prozent) und Kalzium (73 Prozent) aus.
  • Bei den ungesunden gesättigten Fettsäuren schlugen die Krebspatienten dafür umso mehr zu: sie konsumierten 112 Prozent der empfohlenen Menge. Gesättigte Fette stecken vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch und Wurst.
  • Auch die Salzaufnahme war zu hoch: Sie lag bei 133 Prozent der empfohlenen Dosis.
  • Und es gab noch einen interessanten Zusammenhang zwischen der gesunden Ernährung und dem Alter des Krebspatienten. Je älter er war, desto besser ernährte er sich.
  • Eine Rolle spielte auch die Bildung. Krebspatienten mit einer schlechten Ausbildung ernährten sich deutlich schlechter als jene mit höherer Bildung.
  • Wer nach einer Krebserkrankung immer noch rauchte, ernährte sich auch schlechter als ein Nichtraucher und ehemaliger Raucher.
  • Und: Für die vier häufigsten Krebsarten Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs machten die Forscher ebenfalls Unterschiede in der Ernährung aus. Am gesündesten ernährten sich Frauen, die Brustkrebs überlebt hatten. Am schlechtesten schnitten ehemalige Patienten mit Lungenkrebs ab.

Die Erkenntnisse, wie ehemalige Krebspatienten sich genau ernährten, könnten helfen, die Ernährungsweise zu verbessern, so die Forscher. „Eine Umstellung auf eine Ernährung, die mehr Ballaststoffe, Obst und Gemüse und weniger Fett, Salz und zugesetzte Zucker enthält, wäre für Krebspatienten sehr wichtig“, sagt Zhang. Hier seien auch die behandelnden Ärzte und Onkologen gefragt, um an dem Faktor „gesunde Ernährung“ anzusetzen, so die Forscher.

Quelle: Fang Fang Zhang et al. Diet quality of cancer survivors and noncancer individuals: Results from a national survey. CANCER, a peer-reviewed journal of the American Cancer Society, 13 OCT 2015, DOI: 10.1002/cncr.29488

Weiterführende Informationen:

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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