Impfung gegen Brustkrebs

Könnte es bald eine Impfung gegen Brustkrebs geben? Forscher in den USA haben einen Impfstoff getestet – und dieser zeigt Wirkung.

Eine Impfung gegen Brustkrebs – die häufigste Krebsart bei Frauen – wäre ein Meilenstein. Und ein Hoffnungsschimmer. Nicht nur für die rund 74.000 Frauen, die allein in Deutschland jährlich an Brustkrebs erkranken. Noch immer überleben rund 18.000 Frauen pro Jahr ihre Tumorerkrankung nicht.

Impfstoff trainiert Immunsystem

Das Forscherteam um Prof. William Gillanders von der Washington School of Medicine in St. Louis entwickelte jetzt eine therapeutische Impfung gegen Brustkrebs. Sie soll dafür sorgen, dass der Brustkrebs nicht weiter wächst. Der Impfstoff trainiert das Immunsystem auf das Erkennen von Zellen, die das Eiweiß Mammaglobin-A bilden. Die Immunabwehr attackiert dann die Tumorzellen und verhindert so das Fortschreiten des Brustkrebses – das ist die Idee.

Mammaglobin-A findet sich fast ausschließlich in Brustkrebsgewebe, kaum in gesundem Gewebe. Und: In etwa 80 Prozent aller Brustkrebsarten produzieren Tumorzellen sehr große Mengen dieses Proteins, hatten frühere Studien ergeben. Bei Frauen mit Brusttumoren, die kein Mammaglobin-A produzieren, wäre dieser Impfstoff also nicht wirksam.

Wachstumsbremse für Tumoren

In einer kleinen Studie mit 14 Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs wurde der Impfstoff getestet. Im Vordergrund stand zunächst die Sicherheit des Impfstoffs. Als Kontrolle dienten zwölf Brustkrebspatientinnen, die nicht geimpft wurden. Den Patientinnen wurde das Gen für Mammaglobin-A injiziert, es handelte sich also um einen sogenannten DNA-Impfstoff.

Bei 50 Prozent der geimpften Patientinnen war der Tumor im ersten Jahr nach der Impfung nicht weiter fortgeschritten. Das galt auch für Frauen, deren Immunsystem aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung oder einer Chemotherapie geschwächt war. „Trotz der schwachen Immunabwehr konnten wir einen biologische Antwort auf den Impfstoff feststellen, als wir die Immunzellen in ihrem Blut analysierten“, sagt Gillanders. „Das macht große Hoffnung.“ Dagegen entwickelte sich der Brustkrebs nur bei zwei der nichtgeimpften Frauen nicht weiter.

Brustkrebs-Impfstoff ist gut verträglich

Die Nebenwirkungen waren vergleichsweise „harmlos“: Hautrötungen an der Einstichstelle und leichte grippe-ähnlichen Beschwerden. Diese lassen sich angesichts einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung bestimmt verkraften. Schwere oder sogar lebenbedrohliche Nebenwirkungen traten nicht auf. Damit sei der Impfstoff sicher und gut verträglich, schreiben die Mediziner.

Impfung als Brustkrebstherapie der Zukunft?

Jetzt wollen die Forscher den Impfstoff in einer größeren klinischen Studie mit neu diagnostizierten Brustkrebspatientinnen testen. Sie sollten noch robustere Immunsysteme haben als Frauen, die sich schon intensiven Krebstherapien unterzogen haben, so die Annahme der Forscher. „Wenn wir die Krebspatientinnen zu Beginn der Therapien impfen, sollte das Immunsystem noch nicht angegriffen sein wie es bei einer metastasierten Krankheit der Fall ist.“

Und weiter sagt er: „Theoretisch könnten wir in Zukunft eine große Anzahl an Brustkrebspatientinnen mit deutlich weniger Nebenwirkungen therapieren.“

Quelle: Gillanders, WE et al.: „Safety and preliminary evidence of biological efficacy of a mammaglobin-A DNA vaccine in patients with stable metastatic breast cancer“, Clinical Cancer Research, 1.Dezember 2014

 

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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