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Immuntherapie gegen Krebs: Suche nach den besten Scharfmachern!

Immuntherapie gegen Krebs: Lymphozyten attackieren Tumorzellen
Immuntherapie gegen Krebs: Lymphozyten attackieren Tumorzellen (c) Juan Gärtner/Fotolia.com

Die Immuntherapie gegen Krebs gilt als neue Hoffnung. Doch welche Immunzellen sind die besten Scharfmacher und wie lassen sich Nebenwirkungen reduzieren? Das deckten jetzt Schweizer Forscher auf.

Die Immuntherapie gegen Krebs sehen viele Ärzte als echten Durchbruch an. Sie wirkt gegen verschiedene Krebsarten, etwa fortgeschrittenen Hautkrebs oder Lungenkrebs. Einige Medikamente gegen diese Krebsformen sind schon auf dem Markt. Die Immuntherapie setzt – anderes als die Chemotherapie, Bestrahlung oder gezielte Krebsbehandlung – nicht an den Krebszellen selbst, sondern am Immunsystem an und macht es wieder scharf gegen Tumorzellen. Die neuen Medikamente aktiveren die sogenannten T-Zellen des Abwehrsystems. Diese attackieren und zerstören die Krebszellen – und verhindern so die Bildung von Metastasen. Aber welche Immunzellen gehen besonders effektiv gegen die Krebszellen vor und sind damit am besten für die Immuntherapie geeignet? Zwei Forscher der Schweizer Universität Lausanne, die Professoren Nathalie Rufer und Daniel Speiser, entwickelten jetzt eine spezielle Methode, mit deren Hilfe sich besonders schlagkräftige Immunzellen ausfindig machen lassen.

Immuntherapie gegen Krebs: „Faulen“ Tumorzellen Beine machen

Das Immunsystem beinhaltet eine Vielzahl an Immunzellen, die sogenannten T-Lymphozyten oder vereinfacht T-Zellen genannt. Sie arbeiten nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Jede T-Zelle verfügt über einen T-Zell-Rezeptor (TZR), der bestimmte Viren, Bakterien oder kranke Zellen erkennt und zerstört. Bei Krankheiten wählt das Immunsystem zielgenau jene T-Zellen aus und vermehrt sie, welche die besten Fähigkeiten für den Patientenschutz mitbringen.

Video: So funktioniert die Immuntherapie gegen Krebs

Krebszellen sind gesundem Gewebe aber oft sehr ähnlich und das Immunsystem erkennt sie nicht als „fremd“. Die T-Zellen sind daher meist „faul“ und bleiben inaktiv. Um die Krebszellen wirksam zu bekämpfen, müssen Ärzte geeignete T-Zellen im Rahmen einer Immuntherapie gezielt identifizieren, vermehren und aktivieren. Wie effektiv die T-Zelle gegen die Krebszelle vorgehen kann, hängt davon ab, wie stark sich T-Zellen-Rezeptoren und Krebszellen miteinander verbinden. Und diese Bindungsstärke, also der „Kitt“ zwischen den Andockstellen und Tumorzellen, lässt sich mit Hilfe einer neuen Methode bestimmen.

Fester Kleber zwischen Krebszellen und Immunzellen

Die Ergebnisse zeigten, dass die T-Zellen mit der optimalen Bindungsstärke nicht nur am intensivsten mit Krebszellen interagieren, sondern sich auch am meisten vermehren, den Krebszellen am stärksten zusetzen und sie am effizientesten abtöten. „In unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass wir mit unserer Methode tatsächlich die besten T-Zellen für den Einsatz gegen den Krebs identifizieren können“, sagt Prof. Daniel Speiser. Die Bindungsstärke für eine optimale T-Zellfunktion müsse zwar hoch, dürfe aber nicht zu hoch sein. „Die T-Zellen-Rezeptoren dürfen nicht zu lange binden. Nur wenn sie sich wieder loslösen, können die T-Zellen mit weiteren Krebsmolekülen und Krebszellen interagieren und sie zerstören“, so Speiser weiter.

Immuntherapie gegen Krebs: Nebenwirkungen reduzieren

Im Rahmen der neuen Immuntherapien setzen Krebsärzte Medikamente ein, welche die T-Zellen des Patienten aktivieren. Diese Checkpoint-Blockaden (Checkpoint-Inhibitoren) besitzen jedoch viele, teilweise gravierende Nebenwirkungen. Aktivierte T-Zellen greifen nämlich oft nicht nur die kranken Krebszellen, sondern auch gesundes Gewebe an. Durch die Ermittlung der Bindungsstärke erhoffen sich die Forscher, zukünftig nur noch T-Zellen mobilisieren zu können, die sich für die Immuntherapie am besten eignen. Gesundes Gewebe soll so nicht oder zumindest weniger stark angegriffen werden.
Beide Forscher gehen davon aus, dass jene Patienten am besten auf die Immuntherapie reagieren, die eine große Anzahl an T-Zellen mit der optimalen Bindungsstärke aufweisen. Diese Hypothese wollen sie jetzt an Patienten weiter überprüfen. „Je mehr wir über die Funktionsweise der T-Zellen und den Einfluss der Bindungsstärke auf ihre Effektivität wissen, umso gezielter können wir Fehler finden und Immuntherapien verbessern“, erklärt Speiser.

Quelle:

Universität Lausanne, Pressemitteilung des Informationsdienst Wissenschaft, 8. September 2017

Ingrid Müller

Ingrid Müller ist freie Medizinjournalistin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, Springer und Funke. Sie ist Buchautorin, arbeitet an digitalen Gesundheitsprojekten sowie der Gründung der Prostata Hilfe Deutschland e.V. für Männer mit Prostatakrebs mit.

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