Hunde erschnüffeln Krebs präzise

Hunde sind die Lieblinge der Bundesbürger und besitzen fantastische Spürnasen. Sie können sogar Krebs riechen – und zwar sehr genau, lässt eine US-Studie vermuten.

Dass Hunde erstaunliche tierische Spürnasen sind, ist kein Geheimnis. Sie besitzen viel mehr Riechzellen als ein Mensch: So hat ein Dackel 125 Millionen, ein Schäferhund 220 Millionen und ein Mensch bescheidene fünf Millionen Zellen für Gerüche. Hunde können deswegen noch Düfte wahrnehmen, die Menschen verborgen bleiben. Dieser gute Riecher lässt sich offenbar auch für Menschen nutzen. Forscher fanden in einer Studie heraus, dass Hunde eine Krebserkrankung mit sehr hoher Genauigkeit in Blutproben erschnüffeln können: bei fast 97 Prozent lag die Trefferquote der Vierbeiner. „Die Krebserkennung durch Hund könnte eine neue, kostengünstige und nicht-invasive Methode sein“, schreiben die Forscher im Fachblatt Experimental Biology. Normalerweise stellen Ärzte die Diagnose Krebs anhand einer Gewebeprobe (Biopsie) fest, bei der sie feine Nadeln ins Gewebe stechen.

Hundenasen auf Krebs trainiert

Die Studie mit den Hunden führte das Forscherteam um Heather Junqueira vom Unternehmen BioScentDx durch. Dabei vertrauten sie auf die Spürnasen von Beagles (die Lieblingshunde von Queen Elisabeth…). Sie trainiert Vierbeiner darauf, Proben von Patienten mit Lungenkrebs von denen gesunder Personen zu unterscheiden. Einer der vier Beagles – namens Snuggles – versagte allerdings kläglich als Krebs-Detektiv. Er hatte scheinbar wenig Lust, sich als tierischer Krebs-Diagnostiker zu beweisen.

Hunde als Spürnasen für Krebserkrankungen (c) BioScentDx
Hunde als Spürnasen für Krebs – nicht alle haben Lust darauf (c) BioScentDx

Dafür liefen die anderen drei Hunde zur Höchstform auf: In 96,7 Prozent der Proben erschnupperten sie korrekterweise den Krebs. Umgekehrt stuften sie 97,5 Prozent der Blutproben krebsfreier Patienten richtig ein. „Die Ergebnisse könnten den Weg zu neuen Werkzeugen in der Krebsdiagnose ebnen“, ist Junqueira überzeugt. „Eine Möglichkeit ist eine Screening-Methode auf Krebs. Die andere wäre die Bestimmung der biologischen Verbindungen, die ein Hund erschnüffelt.“ Dann könnten Forscher auf Basis dieser Substanzen spezielle Screening-Tests entwickeln.

Nächste Hunde-Studie mit Brustkrebs

Das Unternehmen will in einem nächsten Schritt eine Studie mit Brustkrebs-Patientinnen durchführen. Die Frauen sollen Proben mit ihrer Atemluft zur Verfügung stellen. Dann wollen die Forscher Hunde, die auf das Erschnüffeln von Krebs trainiert sind, als Diagnostiker einsetzen. Außerdem wollen sie die Proben in ihre chemischen Einzelteile zerlegen. Die Hunde sollen dann mit ihren Supernasen jene Substanzen aufspüren, die den Geruch verursachen. „Die Früherkennung von Krebs bietet die beste Chance auf Heilung, sagt Junqueira.

Krebs erschnüffeln: Auf Hunde ist manchmal wenig Verlass

Dass Hunde Krebs erschnüffeln können, haben schon einige Studien nahegelegt. Es gab schon verschiedenste Untersuchungen dazu, zum Beispiel mit Lungen-, Prostata-, Darm- oder Blasenkrebs. Allerdings haperte es bislang entscheidend an der Genauigkeit und Trefferquote der tierischen Spürnasen.

Eine frühere Studie von Forscher aus Deutschland und Österreich ergab, dass auf Hunde bei der Diagnostik von Lungenkrebs herzlich wenig Verlass ist. Sie ließen die Vierbeinen an den Atemproben von 122 Probanden schnuppern: Bei 29 hatten zuvor Lungenkrebs diagnostiziert, den Ärzte noch nicht behandelt hatten. Die anderen 93 zeigten dagegen keine Anzeichen für einen bösartigen Lungentumor.

Insgesamt sechs Hunde verschiedenster Hunderassen trainierten die Wissenschaftler fünf Monate lang für den Schnuppertest: Golden Retriever, Labrador, Riesenschnauzer, Großer Münsterländer, Havaneser und Deutscher Schäferhund. Doch die Genauigkeit der Schnuppernasen ließ erheblich zu wünschen übrig: Die Proben der Krebspatienten ordneten die Tiere nur in 45 Prozent bis 74 Prozent der Fälle richtig ein. Noch schlimmer kam es bei den Proben von Patienten ohne Krebs. Die Hunde erkannten nur in 29 bis 52 Prozent der Fälle, dass diese gar keinen Krebs hatten. „Ein Grund für die schlechten Ergebnisse könnte der erhöhte Stress in der Studie gewesen sein“, mutmaßten die Autoren. Manchmal fehlt den Spürnasen aber auch schlichtweg die Motivation, weil sie gelangweilt sind, Hunger haben oder müde sind. So ist es bei Krebs wohl besser, dem ärztlichen statt dem tierischen Spürsinn zu vertrauen.

Hier leisten Hundenasen Präzisionsarbeit

Es gibt jedoch einige Situationen, in denen auf Hunde Verlass ist, etwa bei der Zuckerkrankheit Diabetes. Unterzuckert ihr Herrchen oder Frauchen, schlagen sie Alarm. Auch für Drogen, Sprengstoff oder unter Lawinen verschüttete Menschen sind Hunde wahre Experten. Wie sie das mit ihren Schnüffelnasen allerdings genau machen, wissen vermutlich nur die Vierbeiner selbst.

Quellen:

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Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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