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Brustkrebsverdacht? Bild statt Biopsie!

Brustkrebsverdacht: Bild statt Biopsie?
Bild statt Biopsie? ©mmphotographie.de/Fotolia

Bei einem Verdacht auf Brustkrebs in der Mammografie, ist eine Biopsie oft unausweichlich, um Klarheit zu schaffen. Die Gewebeprobe wird auf Krebszellen untersucht. Doch vielleicht könnten sich Frauen die Biopsie bald ersparen.

Für einen Laien ist auf einem Mammografiebild meist nicht mehr zu erkennen, als die Umrisse der eigenen Brust. Aber auch erfahrene Radiologen tun sich mit der Unterscheidung zwischen Gut und Böse bei einem Brustkrebsverdacht schwer. Wenn sie in der Mammografie Auffälligkeiten entdecken und auch der Ultraschall keine Klarheit bringt, folgt eine Biopsie. Mit einer feinen Nadel wird eine Gewebeprobe aus dem verdächtigen Areal entnommen, die Pathologen unter dem Mikroskop auf bösartige Zellen untersuchen. Bekannt ist, dass die Hälfte der Frauen, die sich diesem invasiven Eingriff unterzieht, überhaupt keinen Brustkrebs hat. Ließe sich die Prozedur mit den Nadeln durch hochauflösende Bilder aus dem Brustinneren ersetzen? Erste Daten deuten darauf hin. Eine spezielle Art der Magnetresonanztomografie könnte vielleicht vielen Frauen die Biopsie ersparen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg veröffentlichte jetzt zusammen mit den Mammografiezentren in Heidelberg und Mannheim erste Daten – und die stimmen positiv.

Brustkrebsverdacht – Brust-MRT liegt meist richtig

Die Radiologen am DKFZ optimierten die sogenannte „diffusionsgewichtete Magnetresonanztomografie“. Die Besonderheit dieser Technik ist, dass Ärzte nicht nur feine „Scheibchenbilder“ der Brust erhalten, sondern auch die Bewegung der Wassermoleküle im Gewebe sehen können. Und das gibt den Radiologen wichtige Anhaltspunkte, ob Brustkrebs vorliegt oder nicht. Denn: „Tumoren schränken die Bewegung der Moleküle stark ein“, erklärt Prof. Heinz-Peter Schlemmer, Leiter der Radiologie im DKFZ.

In einer Studie unterzogen sich Frauen, bei denen der Verdacht auf Brustkrebs bestand, vor der Gewebeentnahme  zusätzlich einer MRT. Anschließend wurden die MRT-Bilder mit den Ergebnissen der Biopsie verglichen. „Wir waren bereits nach den ersten 50 untersuchten Frauen begeistert“, sagt Bickelhaupt. „Durch die zusätzliche optimierte Brust-MRT konnten wir über 90 Prozent der auffälligen Befunde richtig klassifizieren.“ Gegenüber der Rate von 50 Prozent, wie sie mit der Mammografie und anschließendem Ultraschall erreicht werde, sei dies eine enorme Steigerung.

Zusätzliches MRT kann Brustkrebs abklären

Als Ersatz für das umstrittenen Mammografie-Screening sehen die Forscher aber ein Brust-MRT-Screening nicht: „Die Stärke der Studie liegt in der Nutzung der MRT als zusätzliche Abklärungsmaßnahme“, so Bickelhaupt. Eine Biopsie wäre nur noch dann erforderlich, wenn die MRT einen positiven Befund sehr wahrscheinlich macht.

Die Stärke der Mammografie ist, dass sie im Gegensatz zur MRT auch feinste Mikroverkalkungen aufdeckt, die auf Krebsvorstufen hinweisen. Dazu zählt das duktale carcinoma in situ, kurz DCIS. In diesem Fall ist der Brustkrebs noch nicht invasiv, ist also nicht ins umliegende Gewebe eingebrochen.

Weitere Studien mit Frauen unter Brustkrebsverdacht

Jetzt wollen die Forscher weitere 200 Frauen untersuchen. „Wenn sich die Ergebnisse im weiteren Verlauf bestätigen, sind wir auf einem guten Weg, die enorme emotionale Belastung der Frauen mit unklaren Befunden im Mammografie-Screening zu reduzieren“, sagt Heinz-Peter Schlemmer. Die Krankenkassen übernehmen derzeit die Kosten der diffusionsgewichteten Brust-MRT noch nicht. Hier müssen größere Studien folgen. Auch bei anderen Tumorarten wollen die Radiologen untersuchen, ob die diffusionsgewichtete MRT verdächtige Befunde abklären helfen kann und sich für die Verlaufskontrolle von Krebserkrankungen nutzen lässt.

Biopsie – nur die Hälfte hat wirklich Brustkrebs

Jedes Jahr unterziehen sich in Deutschland rund 2,8 Millionen Frauen einer Mammografie. Etwa jede zwanzigste Frau, die am Mammografie-Screening teilnimmt, muss damit rechnen, einen auffälligen Befund zu erhalten. Falls sich der Krebsverdacht bei weiteren Untersuchungen erhärtet, schlagen die Ärzte die Entnahme einer Gewebeprobe vor. Das betrifft jährlich knapp 35.000 Frauen. „Doch nur bei rund 17.000 von ihnen findet sich dann auch tatsächlich ein bösartiger Tumor“, sagt Bickelhaupt. Das MRT könnte ein Möglichkeit sein, sich die belastende Biopsie zu ersparen.

Quelle:
Bickelhaupt, S; Laun, F; Tessdorf, J; Lederer, M; Daniel, H; Stieber, A; Delorme, S; Schlemmer, HP: Fast and Noninvasive Characterization of Suspicious Lesions Detected at Breast Cancer X-Ray Screening: Capability of Diffusion-weighted MR Imaging with MIPs1. Radiology 2015, DOI: 10.1148/radiol.2015150425

Ingrid Müller

Ingrid Müller ist freie Medizinjournalistin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, Springer und Funke. Sie ist Buchautorin, arbeitet an digitalen Gesundheitsprojekten sowie der Gründung der Prostata Hilfe Deutschland e.V. für Männer mit Prostatakrebs mit.

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