Monokini 2.0 – Wer sagt, dass du zwei brauchst?

Das fragten sich finnische Designer und starteten ein ungewöhnliches Projekt. Sie entwarfen Bademode für Frauen, die durch Brustkrebs eine Brust verloren haben. Monokini 2.0!

Monokini 2.0 ist ein künstlerisches Projekt, bei dem es um Frauen geht, die den Brustkrebs überlebt haben, sich aber nicht mehr verstecken wollen. Um Frauen, die sich so zeigen wollen, wie sie sind. Nur mit einer Brust. Oder mit gar keiner. Modedesigner haben speziell für sie Badeklamotten entworfen. Die Monokinis lassen die flache Brust frei, zeigen, welche Narben und Spuren eine Brustkrebsoperation hinterlässt. Normalerweise sieht man sie nicht, denn selbst im Schwimmbad kaschieren die meisten die fehlende Brust mit Einlagen im BH.

Monokini 2.0 – Blick auf Frauen mit Brustkrebs verändern

Das Kunstprojekt will den Blick verändern, wie eine Frau idealerweise aussehen sollte. „Wir wollen die Sichtweise erweitern, was akzeptiert und als schön angesehen wird“, schreiben die Initiatoren um das Künstler-Duo Tärähtäneet ämmät/Nutty Tarts. „Deshalb haben wir uns eine Schwimmkollektion für Frauen ausgedacht, die durch den Brustkrebs hindurch gegangen sind.“ Die normale Bademode sei nicht für Frauen gemacht, die durch eine Mastektomie eine Brust verloren haben. Viele Frauen wünschten aber keine Brustrekonstruktion, sie wollten ihr Leben weiterleben mit nur einer Brust – oder überhaupt keiner.

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Die Idee stammte von Elina Halttunen, einer blonden Frau, die zwar eine Brust verloren hatte, aber nicht aufs Schwimmen verzichten wollte. Und in den Geschäften entdeckte sie nichts, was ihr gefiel und passte. „Nur eine Brust zu haben, das machte es schwierig, einen passenden Bikini zu finden – deshalb ich meinen eigenen Monokini designt“, erzählt Halttunen. „Und dann dachte ich, dass es noch mehr Frauen da draußen so geht.“

Brustkrebs – wider dem gängigen Schönheitsideal

Damit dürfte sie Recht haben. Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 74.000 Frauen neu an Brustkrebs. Zwar können Ärzte in rund zwei Drittel der Fälle brusterhaltend operieren, aber die anderen kommen um eine Brustamputation nicht herum. Etwa dann, wenn der Tumor zu groß ist oder es mehrere Herde an verschiedenen Stellen der Brust gibt. Und dann stellen sich praktische Problem: Brust wieder aufbauen lassen? Einlagen oder Prothesen? Im Alltag mag das gut funktionieren, aber im Schwimmbad fällt es definitiv auf. Die meisten dürften angestarrt werden, wenn oben etwas fehlt und eine Frau in den Augen des Betrachters nicht mehr dem gängigen Schönheitsideal entspricht.

Erst irritieren die Bilder, dann sind sie spannend und interessant, weil sie nicht dem entsprechen, was wir kennen. Die Initiatoren sagen: „Wir wollen das soziale Tabu antasten, was als angemessen empfinden – indem wir etwas hervorheben, was nicht vorhanden ist. Eine gezeigte Brust würden wir als Nacktheit bezeichnen, aber warum wird das Zeigen einer nicht vorhandenen Brust auch als Nacktheit angesehen?“ Diese Frage kann man sich ja mal durch den Kopf gehen lassen.

Die Monokini-Fotos werden auch ausgestellt, im Finnish Museum of Photography, Helsinki, vom 23.5. bis 7.9.2014 und im Museum Anna Nordlander, Schweden, Oktober 2014. Bei Kickstarter startet am 30. Mai eine Crowdfunding-Kampagne. Mehr Informationen gibt es auf der Website des Projekts www.monokini2.com.

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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