Brustkrebs – Knoten in der Brust ist nicht das einzige Symptom

Der Knoten in der Brust ist das bekannteste, aber bei weitem nicht einzige Symptom für Brustkrebs. Wer keinen Knoten spürt, geht oft viel zu spät zum Arzt.

Ein Knoten in der Brust gilt als das häufigste und bekannteste Symptom für Brustkrebs. Die meisten Frauen ertasten die Verdickung im Busen selbst und suchen ihren Arzt auf. Aber etwa eine von sechs Frauen (17 Prozent) mit Brustkrebs hat ein ganz anderes Symptom als den typischen Knoten in der Brust. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie, die auf der Krebskonferenz 2016 des National Cancer Research Institute (NCRI) in  Liverpool vorgestellt wurde. „Frauen sollten unbedingt ihr Bewusstsein dafür schärfen, dass der Knoten nicht das einzige Symptom für Brustkrebs ist“, sagt Monica Koo vom University College London (UCL). Alle Brustveränderungen, die Frauen merkwürdig vorkämen, sollten sie immer so schnell wie möglich von ihrem Arzt abklären lassen.

Kein Knoten in der Brust – Frauen schieben Arztbesuch auf

Die UCL-Forscher hatten die Daten von mehr als 2.300 Frauen ausgewertet, welche die Diagnose Brustkrebs in den Jahren 2009 und 2010 erhalten hatten. Sie fanden heraus, dass die meisten Frauen sich zwar aufgrund der Brust-Symptome schnell ärztliche Hilfe gesucht hatten. Allerdings gingen die Frauen, die keinen Knoten in der Brust gespürt hatten, deutlich später zum Arzt als jene mit einer tastbaren Verdickung im Busen. Der Grund ist, dass sich Frauen oft nicht bewusst darüber sind, dass es neben dem Knoten in der Brust noch viele weitere Anzeichen für Brustkrebs gibt. Zu den Brustkrebs-Symptomen zählen:

  • Veränderungen der Brustwarze: Neu aufgetretene Einziehungen an einer Stelle oder Einsenkungen der gesamten Brustwarze
  • (einseitige) Absonderungen aus der Brustwarze (blutiges oder klares Sekret)
  • Hautveränderungen der Brust (Einziehungen, Großporigkeit = „Orangenhaut“)
  • Infektionen und Entzündungen der Brust
  • Geschwüre
  • Brustschmerzen
  • Veränderungen von Brustform und Brustgröße, unterschiedliches Verhalten beider Brüste beim Heben der Arme
  • Schwellungen der Achselhöhle, Lymphknotenschwellungen

Die Forscher stellten fest, dass Frauen, die sowohl einen Knoten ertastet als auch andere Brustkrebs-Symptome bei sich entdeckt hatten, ebenfalls verspätet einen Arzt aufsuchten. Einige warteten trotz Geschwüren, Veränderungen der Brustwarze, Infektionen, Entzündungen, Schwellungen am Arm oder der Achselhöhle, Schmerzen in der Achsel sogar länger als drei Monate, bis sie sich auf den Weg zum Arzt machten. Koo sagt: „Frauen mit anderen Symptomen als einem Knoten in der Brust schieben den Arztbesuch viel länger auf.“

Gezielte Kampagnen sollten Frauen jetzt ins Bewusstsein bringen, dass es noch andere Brustkrebs-Anzeichen als einen Knoten gibt, so Koo. Frauen sollten umgehend bei jeglichen Brustveränderungen ihren Arzt zu Rat ziehen. Denn die Krebs-Behandlungen fallen weniger hart aus und die Überlebenschancen steigen, wenn Ärzte den Brustkrebs frühzeitig entdecken.

Knoten in der Brust immer abklären lassen

 
Ein Knoten in der Brust lässt sich meist erst ab einer Größe von ein bis zwei Zentimetern tasten – je nachdem, ob er direkt unter der Haut oder in tieferen Schichten liegt. Auch die Brustdichte (knotige oder nicht knotige Brust) und Brustgröße beeinflussen, ob sich ein Knoten tasten lässt. Knoten, die auf Brustkrebs hindeuten, lassen sich nicht verschieben, fühlen sich fest an und verursachen in der Regel keine Schmerzen. In etwa 50 Prozent der Fälle sitzt der Knoten im oberen, äußeren Bereich der Brust. Bei etwa 15 Prozent befindet er sich im unteren, äußeren Teil der Brust. Frauen sollten jeden Knoten abklären lassen. Aber: Nicht jeder Knoten bedeutet gleich Brustkrebs.

Jede achte Frau erkrankt an Brustkrebs

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Allein in Deutschland erkranken rund 70.000 Frauen jährlich neu an dem Mammakarzinom. Jede achte Frau muss im Lauf ihres Lebens mit der Diagnose Brustkrebs rechnen. Etwa 18.000 Frauen sterben jedes Jahr an ihrer Krebserkrankung. Das Brustkrebsrisiko steigt mit dem Alter. Am häufigsten erkranken Frauen ab dem 50. Lebensjahr, ab 70 Jahren sinkt das Risiko wieder. Aber etwa drei von zehn Frauen sind jünger als 55 Jahre alt, wenn sie die Diagnose Brustkrebs erhalten. Trotzdem ist Brustkrebs heute in vielen Fällen heilbar. Dank Früherkennungsmaßnahmen und neuen Krebstherapien sind die Überlebenschancen in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Quellen:

Ingrid Müller

Ingrid Müller hat Biologie und Chemie studiert, ist gelernte Journalistin, Buchautorin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, das Brustkrebs-Magazin MammaMia!, Springer und Funke. Sie ist Redaktionsleiterin der Gesundheitsplattform Prostata Hilfe Deutschland für Männer mit Prostatakrebs. Zudem entwickelt sie digitale Gesundheitsprojekten mit. Zwölf Jahre war sie Chefredakteurin des Gesundheitsportals netdoktor.de

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