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Brustkrebs erkennen – so helfen Zitronen

Brustkrebs erkennen mit Hilfe von Zitronen (c) ipag/Fotolia.com

Ein Knoten in der Brust ist nicht das einzige Symptom bei Brustkrebs – was viele Frauen aber nicht wissen. Eine weltweite Kampagne will das ändern – mit Hilfe von Zitronen.

„Kenn deine Zitronen“ oder auf Englisch „KnowYourLemons“ heißt die Kampagne der Organisation World Wide Breastcancer, die Frauen weltweit auf die Gefahr von Brustkrebs aufmerksam machen will. Unter dem hashtag #KnowYourLemons hat die US-amerikanische Designerin Corrin Ellswoth Beaunont sie ins Leben gerufen. Brustkrebs äußert sich nämlich nicht nur durch den typischen Knoten in der Brust, der spürbar ist, sondern auch durch optische Veränderungen der Brüste. Abgebildet haben die Initiatoren deshalb Zitronen, die verschiedenste Malaisen haben, zum Beispiel Dellen, Verdickungen oder eine wellige Schale. Viele Frauen wissen nämlich nicht, dass es jenseits eines tastbaren Knotens in der Brust noch einige andere Alarmzeichen für Brustkrebs gibt.

Saure Helfer – so kann Brustkrebs aussehen

(c) www.worldwidebreastcancer.org

Brustkrebs-Symptome jenseits von Knoten in der Brust

Einen Knoten in der Brust oder Verhärtungen sollten Sie immer von Ihrem Arzt abklären lassen. Nicht jeder Knoten ist gleich bösartig, viele stellen sich als gutartige Veränderungen heraus, etwa eine Zyste oder Fibroadenom. Bei folgenden Auffälligkeiten der Brust sollten Sie ebenfalls einen Arzt zu Rat ziehen:

  • Schwellungen in der Achselhöhle, die größer als ein Zentimeter sind, Lymphknotenschwellungen (aber Achtung: diese sind auch bei Infektionskrankheiten verdickt)
  • neu aufgetretene Einziehungen oder Einsenkungen der gesamten Brustwarze
  • Hautveränderungen der Brustwarze oder des Warzenvorhofs
  • (einseitige) Absonderungen aus der Brustwarze (blutige oder klar)
  • Einziehungen der Haut, vor allem beim Anheben der Arme
  • Hautveränderungen der Brust wie Großporigkeit („Orangenhaut“)
  • plötzlich auftretende Rötungen oder Jucken einer Brust, auch ohne Schmerzen
  • Infektionen, Entzündungen und Geschwüre der Brust
  • Schmerzen in der Brust
  • Veränderungen von Brustform und Brustgröße, unterschiedliches Verhalten beider Brüste beim Heben der Arme

Kein Knoten? Frauen gegen zu spät zum Arzt

Erst kürzlich wies eine Studie des University College London (UCL) nach, dass etwa eine von sechs Frauen mit Brustkrebs ein ganz anderes Symptom als einen Knoten in der Brust hat. Wer keine auffällige Verdickung im Busen ertastete, suchte deutlich später einen Arzt auf als jene mit einem Knoten in der Brust. Offenbar nehmen Frauen andere Veränderungen ihrer Brüste nicht als bedrohlich wahr. „Frauen sollten unbedingt ihr Bewusstsein dafür schärfen, dass der Knoten nicht das einzige Symptom für Brustkrebs ist“, sagt Monica Koo vom UCL. Alle Brustveränderungen, die Frauen als seltsam empfänden, sollten sie immer so schnell wie möglich von ihrem Arzt abklären lassen. Denn je früher der Brustkrebs entdeckt wird, desto kleiner ist er meist und desto höher sind auch die Heilungschancen. Bei Brustkrebs liegen sie bei etwa 85 Prozent.  Auch die Krebstherapien fallen oft schonender aus. Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium können sich oft eine Chemotherapie ersparen, wenn das Mammakarzinom nicht fortgeschritten ist.

Brustkrebs erkennen – so funktioniert die Selbstuntersuchung

Viele Frauen entdecken den Brustkrebs selbst, zum Beispiel beim Duschen, Eincremen oder Abtasten der Brust. Manche spüren auch bei ungewohnten Bewegungen plötzlich einen Widerstand, der zuvor nicht da war. Deutsche Fachgesellschaften raten Frauen, ihre Brüste einmal im Monat im Spiegel zu betrachten und abzutasten.

Wie sich Brustkrebs anfühlen kann

Achtung! Erschrecken Sie nicht gleich, wenn Sie Ihre Brust zum ersten Mal bewusst untersuchen. Vielleicht kommt Ihnen das äußerlich glatte Gewebe beim Abtasten plötzlich knotig und hügelig vor. Vor allem bei jungen Frauen, bei denen das Drüsengewebe noch sehr ausgeprägt ist, ist dies keine Seltenheit.

  • Sorgen Sie für ausreichendes Licht und nehmen Sie sich Zeit für die Selbstuntersuchung. Suchen Sie zunächst nicht nach Auffälligkeiten, sondern lernen Sie das Gewebe und die Struktur Ihres Busens kennen. So können Sie Veränderungen auch besser einordnen.
  • Vor den Wechseljahren tasten Sie Ihre Brüste am besten zwischen dem dritten und siebten Tag nach dem Einsetzen der Regel ab, weil die Brust dann besonders weich ist. Gegen Ende des Menstruationszyklus schwillt das Drüsengewebe unter dem Einfluss von Hormonen oft an und es fühlt sich hart und knotig an.
  • Nach den Wechseljahren spielt der Zeitpunkt der Selbstuntersuchung keine wesentliche Rolle. Wichtig ist nur, dass Sie Ihre Brüste weiterhin regelmäßig einmal im Monat abtasten. Wählen Sie am besten einen festen Tag im Monat für die Selbstuntersuchung der Brust.
  • Tasten Sie jeden Teil der Brust systematisch mit unterschiedlichen Druckstärken ab. Erspüren Sie, wie sich die Brust direkt unter der Haut und in der Tiefe anfühlt (etwas mehr Druck ausüben)
  • Tasten Sie auch den Rand des Brustmuskels in Richtung Achselhöhle sowie die selbst Achselhöhle ab; den Arm halten Sie dabei am besten gesenkt.
  • Der Bereich um die Brustwarze fühlt sich immer etwas härter an. Auch das können Sie besser einordnen, wenn Sie die Brust regelmäßig abtasten und mit ihr vertraut sind. Drücken Sie Ihre Brustwarze zusammen und beobachten Sie, ob sie Flüssigkeit absondert.
  • Am besten wiederholen Sie die komplette Untersuchung nochmals im Liegen.

Brustkrebs – Selbstuntersuchung – die Schritt-für-Schrittanleitung im Video

Mammografie zur Brustkrebs-Früherkennung

Eine Mammografie – die Röntgenuntersuchung der Brust – kann Brustkrebs ebenfalls aufdecken. In Deutschland gibt es seit 2009 ein flächendeckendes Mammografie-Screening. An diesem können Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre freiwillig teilnehmen. Zwei Radiologen beurteilen die Aufnahmen unabhängig voneinander und müssen zum gleichen Ergebnis kommen. Das Mammografie-Screening findet Brustkrebs nachgewiesenermaßen in früheren Stadien. Erste Auswertungen ergaben, dass mehr kleine und weniger fortgeschrittene Tumoren entdeckt wurden. Allerdings gibt es auch sogenannte „Überdiagnosen“: Hier stellt sich ein vermeintlicher Brustkrebs bei weiteren Untersuchungen als Fehlalarm heraus. Die Frauen erleben unnötige Ängste und Schrecken. Umstritten ist auch, ob das Mammografie-Screening die Sterblichkeitsrate senkt und das Überleben bei Brustkrebs verlängert.

Quellen:

  • World Wide Breastcancer, www.worldwidebreastcancer.org (Abruf: 23.1.2017)
  • Deutsche Krebsgesellschaft, www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 23.1.2017)
  • Frauenärzte im Netz, www.frauenaerzte-im-netz.de (Abruf: 23.1.2017)

Ingrid Müller

Ingrid Müller ist freie Medizinjournalistin und schreibt für verschiedene Medien, unter anderem Focus Gesundheit, Springer und Funke. Sie ist Buchautorin, arbeitet an digitalen Gesundheitsprojekten sowie der Gründung der Prostata Hilfe Deutschland e.V. für Männer mit Prostatakrebs mit.

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